Login
Kommentar

Tief durchatmen

LKV Bayern
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
24.05.2018

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat Strafanzeige gegen das Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredlung (LKV) gestellt. Es geht um Rückforderungen von Fördermitteln aus 2013.

Simon Michel-Berger

Als am Dienstag die Süddeutsche Zeitung erschien, sorgte ein Beitrag für Furore. Unter der Überschrift „Finanzskandal in der Landwirtschaft“ geht es um einen Streit zwischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredlung (LKV), bei dem Vorwürfe von Subventionsbetrug erhoben und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde. Dass ein oder mehrere Insider, die mit dem LKV unzufrieden sind, Interna ausgepackt haben, liegt auf der Hand.

Hoch kochende Emotionen gibt es sowohl im LKV als auch in dessen Umfeld und im Verhältnis zwischen dem Verein und der LfL schon seit einiger Zeit. Da ist es nicht verwunderlich, dass Einzelne vermeintlich schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit gewaschen sehen wollen. Aber atmen wir alle einmal tief durch. Eine bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung, die bei allen ihren Problemen auch einen großen Wert für die Landwirte darstellt, steht in der Kritik. Wenn jetzt alle weiter aufeinander schimpfen kann niemand absehen, wie die Geschichte ausgeht. Beschädigt sind am Ende wahrscheinlich alle: Das LKV, weil es im schlimmsten Fall viel Geld zurückbezahlen muss. Die LfL, weil sie fast fünf Jahre für die Prüfung gebraucht hat. Das bayerische Landwirtschaftsministerium, weil ihm vorgeworfen wird, Zusagen nicht einzuhalten. Die Landwirtschaft insgesamt, weil beim unkritischen Verbraucher hängen bleibt: „Mal wieder die Bauern“. Dass derzeit der Oberste Rechnungshof das LKV (unabhängig von den aktuellen Vorwürfen) prüft, verschärft die Lage weiter.

Darum meine Bitte an alle: Ruhe bewahren und versuchen, die emotionalen Probleme, die im Raume stehen, zu klären. Dann die offenen Fragen möglichst einvernehmlich beantworten. Falls nach der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft noch eine Institution der Landwirtschaft kaputt gemacht würde, wäre das eine echte Tragödie.

Auch interessant