Login
Regenerative Energie

Tiefschlag für Biosprit

Biosprit Biodiesel Bioethanol
aiz
am
25.10.2017

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments will, dass Biotreibstoffe vom Acker ab 2030 nicht mehr auf die Klimabilanz eines EU-Mitgliedstaats angerechnet werden.

Die Abgeordneten stimmten für einen Mindestanteil von erneuerbarer Energie von 35% bis zum Jahr 2030. Die EU-Kommission sieht in ihrem Vorschlag für den Anteil an erneuerbaren Energien bis 2030 lediglich 27% vor. Zudem soll Palmöl schon ab 2020 nicht mehr auf die Klimaziele angerechnet werden.

Zugleich sollen iLUC-Faktoren zur Berechnung der Treibhausgas-Bilanz ab 2021 eingeführt werden.

Der Bericht des grünen Abgeordneten Bas Eickhout aus den Niederlanden fand nur eine knappe Mehrheit im Ausschuss und wird bei der Abstimmung im Plenum im Januar wahrscheinlich noch korrigiert. Die Christdemokraten und Konservativen hatten sich für eine Obergrenze von 3,8% für konventionelle Biotreibstoffe ausgesprochen, unterlagen aber in der Abstimmung.

Ufop reagiert enttäuscht

Die Union zur Förderung von Öel- und Proteinpflanzen (UFOP) zeigt sich enttäuscht über das Abstimmungsergebnis im Umweltausschuss. Die Folgen für den europäischen Rapsanbau wären gravierend. Biodiesel aus Rapsöl wäre damit ab 2021 nicht mehr zu vermarkten.

Ebenso unverständlich ist für die Ufop, dass im Europäischen Parlament derzeit vehement eine europäische Eiweißstrategie gefordert wird, während der Umweltausschuss die Produktion der europaweit wichtigsten heimischen gentechnikfreien Proteinquelle – dem Rapsschrot – mit dem Beschluss dieser Woche die Existenzgrundlage entziehen will.

DBV sieht Biosprit aus heimischer Landwirtschaft in Frage gestellt

Das Votum des Umweltausschusses des Europäischen Parlamentes zur Erneuerbare-Energien-Richtlinie stellt nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) den Bestand und die Zukunft von nachhaltigen Biokraftstoffen aus der heimischen Landwirtschaft in Frage.

Vor allem hält der DBV einen faktischen Ausschluss von Biodiesel und Pflanzenölen infolge eines Malus aus indirekten Landnutzungsänderungen für unberechtigt. Sogenannte ILUC-Faktoren waren 2014/15 noch von Rat und Parlament nach intensiver Diskussion verworfen worden. Die Forderung des EP-Umweltausschusses, Strom für Elektromobilität fünffach auf das Klimaziel anzurechnen, ist nur virtueller Klimaschutz. Dies hält der DBV auch im Sinne eines tatsächlichen Klimaschutzes für nicht vertretbar.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes bemängelt, dass nachhaltige Biokraftstoffe offenbar im politischen Streit um die Zukunft des Verbrennungsmotors geopfert werden. Notwendig sei aber die Aktivierung aller Möglichkeiten zum Klimaschutz, mit Biokraftstoffen ebenso wie mit der Elektromobilität.

Auch interessant