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Ferkelkastration

Tierärztekammer schießt gegen Ministerium

Ferkel
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
14.05.2019

Der Präsidenten der Bundestierärztekammer (BTK), Dr. Uwe Tiedemann, sieht Staatsziele in Gefahr.

In einer Stellungnahme zur Ferkelbetäubungssachkundeverordnung haut der Ärztefunktionär kräftig auf den Putz. "Ist das Gebot der Staatszielbestimmung, sich bei Wahlmöglichkeiten für die tierschonendste Methode entscheiden zu müssen, überhaupt nicht angekommen oder schon nach 17 Jahren verloren gegangen? Ist der Tierschutz in einem Ministerium noch richtig aufgehoben, das offensichtlich in Abwägungsprozessen zu Ungunsten der Tiere entscheidet?" Das sind wahrlich große Geschütze die der Präsident des Bundestierärztekammer da auffährt. Sie bringen des Selbstverständnis des Verbandes ganz gut zum Ausdruck.

Wobei natürlich klar ist, wer aus seiner Sicht die Deutungshoheit darüber hat, was gut und schlecht für die Tiere ist: die Bundestierärztekammer.

Neben großem Pathos führt der Präsident der Tierärztekammer dann auch noch wissenschaftliche Untersuchungen ins Feld. Sie würden belegen, dass unter dem Gesichtspunkt des Schutzes der Tiere vor vermeidbaren Schmerzen eine operative Entfernung der Hoden bei Ferkeln unter Betäubung nicht mehr vertretbar sei. Da das mit dem Eingriff am Tier verfolgte Ziel, den Ebergeruch im Fleisch zu vermeiden, auch mit anderen Methoden erreicht werden könne, gebe es keinen vernünftigen Grund mehr, an der chirurgischen Kastration festzuhalten.

Damit spricht sich der Präsident der Bundestierärztekammer gegen jegliche Form der chirurgischen Entfernung der Hoden aus.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Kirsten Tackmann von den Linken. Sie fordert, dass Narkosen nicht in die Hände von tierärztlichen Laien gehört. Daraus spricht eine elitäre Vorstellungswelt, die hoch spezialisierte Sauenhalter zu Laien degradiert.

Zum Hintergrund: Die Ferkelbetäubungssachkundeverordnung räumt den Landwirte ein, eine Vollnarkose mit Isofluran selbst durchführen zu können. Voraussetzung ist die Erlangung eines Sachkundenachweises. Damit geht den Tierärzten ein bislang sorgsam gehütetes Privileg verloren.

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