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Entscheidung

Tierwohllabel - Klöckner muss schnell liefern

Lidl Fleisch
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
26.04.2018

Der erste Eindruck von der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin ist nicht schlecht. Julia Klöckner scheint Probleme lösen zu wollen und zupacken zu können.

Simon Michel-Berger

Auch die Landwirtschaft ist ihr nicht fremd. Aber erinnert sich noch jemand an die Anfangszeit von Christian Schmidt? Auch damals hörte man viel Gutes über den neuen Minister. Doch bis auf seine Entscheidung bei Glyphosat galt er am Ende bei vielen Themen eher als Ankündigungsminister. Diese Gefahr ist auch für Klöckner real.

Nehmen wir das neue staatliche Tierwohllabel: Obwohl vor über einem Jahr vorgestellt, ist es nicht wesentlich vorangekommen. Im Gegenteil, der Handel bringt munter seine eigenen Label in die Regale. Kann schon sein, dass es innerhalb der Bundesregierung und sogar innerhalb des Bundeslandwirtschaftsministeriums heiße Kämpfe darum gibt, welche Form ein Tierwohllabel annehmen sollte. Aber wenn Klöckner zeigen will, dass sie ihren Laden im Griff hat, dann muss sie innerhalb von 100 Tagen nach Amtsantritt – bis Ende Juni – einen konkreten Vorschlag auf den Tisch legen.

Was die Branche braucht, sind tragfähige Lösungen, die vorhandene Marktchancen nutzen und alle Beteiligten mitnehmen. Ein Tierwohllabel, das nicht gut mit der Initiative Tierwohl verzahnt wird, riskiert, ohne große Marktanteile und damit ohne Bedeutung zu enden. Auch andere Beteiligte, zum Beispiel die Schlachtwirtschaft, müssen die Karten auf den Tisch legen und klar sagen, was sie wollen.

Jede Woche, die ungenutzt verstreicht, schafft der Handel weiter eigene Fakten. Der Spielraum für die Politik, eine gute Lösung vorzulegen, wird immer kleiner. Wenn Minister Schmidt mit seiner Ankündigung von 2017 nur erreicht hätte, den Wildwuchs an eigenen Labeln im Handel zu fördern, dann hätte die Politik auf ganzer Linie versagt.

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