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Julia Klöckner

Tierwohllabel - auf Teufel komm raus etwas tun

Julia Klöckner
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
09.05.2018

Twitter-Königin und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bleibt zum Handeln verdammt. Sie muss schnell ein staatliches Tierwohllabel präsentieren.

Simon Michel-Berger

Auf gar keinen Fall will sie zur „Ankündigungsministerin“ werden, wie Christian Schmidt.

Ebenso wenig will Klöckner, die als Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz schon zwei Landtagswahlen verloren hat, als jemand dastehen, der nichts gebacken bekommt. Sie muss sich deshalb unbedingt als Macherin beweisen.

Damit sind wir beim Kern des Problems: Ein staatliches Tierwohllabel ist, wenn richtig gemacht, eine große Chance, der Schizophrenie der Verbraucher, das Billigste zu kaufen, aber so zu tun, als sei man bereit, das Beste zu bezahlen, einen Riegel vorzuschieben. Aber so etwas vernünftig zu machen, hieße, es für alle verpflichtend zu tun – die ganze Lebensmittelkette, inklusive Handel sowie Hotel- und Gaststättengewerbe.

Hier hat das Ministerium jedoch nur so hauchdünne Scheibchen Fortschritt im Angebot, dass man einen Lidl-Prospekt hindurch lesen könnte. Klöckner weiß das. Warum soll sie auch per se erfolgreicher sein als ihr Amtsvorgänger, der sich ebenso redlich bemühte aber scheiterte? Statt eine Pflichtlösung zu versuchen, drängt sie weiter auf ein freiwilliges Label. Geht ja schneller. Selbst wenn es nicht viel bringt. Immerhin kann sie sich so bis zur nächsten Wahl das Mäntelchen der Macherin umhängen. Hauptsache wiedergewählt und Lebensmittel bleiben schön billig.

Wir leben in seltsamen Zeiten: Die Bauernverbände, oft als Bremser geschmäht, sind bereit, weiter zu gehen als die Regierung. Sie wollen ein verpflichtendes Label. Klöckner aber will nicht und versteckt sich hinter Ausreden. Dabei hat die verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Frankreich bewiesen: Wenn die Politik etwas wirklich will, kann sie es auch schaffen – sogar EU-rechtskonform.

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