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Rein in die Kartoffel, raus aus der Kartoffel

Traum: In Ruhe arbeiten können

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
26.10.2017

Kastrationsverbot, kein Pflanzenschutz auf Greeningfläche - die Politik ist sich der Tragweite ihrer Entscheidungen häufig nich bewusst.

Redakteur, BLW, Wolfgnag Piller

Besteuerung von Rapsöl und Biodiesel, nationaler Alleingang beim Entkoppeln von EU-Prämien (Kartoffelstärke, Zuckerrüben), jetzt aktuell Verbot von Pflanzenschutzmitteln beim Leguminosenanbau auf Greeningflächen und natürlich das Verbot der betäubungslosen Kastration – die Liste ist lang und unvollständig. Es sind Entscheidungen, wo die Politik mit zweifelhaftem Erfolg an irgendeiner anderen Stelle erfolgversprechende junge Pflänzchen gleich wieder abtötet, lang bewährte Verfahren wie ein altes Unkraut herausreißt oder am Weiterwachsen hindert.

Allzu oft weiß man in der Fachwelt schon von Beginn an, dass der Nutzen, auf den die politische Entscheidung abzielt, kaum spürbar sein wird und im schlimmeren Fall andere Vorteile wieder zunichte macht. Manchmal sind das sogar Ziele, denen sich die Politik an einer anderen Stelle selbst verpflichtet hat. Der Schaden findet sich am Acker oder im Stall und sogar im Umweltschutz oder in einem beschleunigten Strukturwandel. Der Nutzen? Oft nur die Befriedigung einer (vor-)lauten Interessensgruppe und für kurze Zeit etwas Ruhe.

Vielen Landwirten erscheint das mittlerweile wie ein Alptraum. Doch ihr Traum wäre ein ganz anderer: Die (angewandte) Wissenschaft kümmert sich um offene Probleme und sorgt für einen schnellen Wissenstransfer in die Praxis. Die Politik greift Anliegen der Öffentlichkeit auf, prüft diese auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und entscheidet so, dass größtmögliche Wohlstandsgewinne für alle (einschließlich der Landwirtschaft, aber natürlich auch der Umwelt) erzielt werden. Die Landwirte arbeiten innerhalb eines verlässlichen Rahmens und umso erfolgreicher, je geschickter sie neue Erkenntnisse umsetzen. Sie sind im Dialog mit der Wissenschaft und mit der Öffentlichkeit. Leider sind sie aus diesem Traum gerissen worden. Der Alptraum dauert fort.

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