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Hausbau

Traumhaus oder Luftschloss?

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Karola Meeder, Wochenblatt
am
26.01.2017

München - Stein ist grün und günstiger als Holz“, das ist die Kernaussage einer Pressekonferenz im Rahmen der Messe Bau, zu der die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) eingeladen hatte.

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Die DGfM sieht laut Dr. Ronald Rast in den Aktivitäten der Holzwirtschaft rund um das Thema Bauen mit Holz einen Angriff auf ihre Bauprodukte. So sorgte beispielsweise das Tagungsmotto „Ende der Steinzeit“ eines Sägewerkkongresses für Aufregung.
Obwohl der Mauerwerksbau in Deutschland einen Marktanteil von knapp 73% (2015) und der Holzbau nur einen Anteil von knapp 11 % (2015) hat, sieht die DGfM den Holzbau wohl doch als ernstzunehmende Konkurrenz. Denn zur Pressekonferenz waren verschiedene Experten geladen, die alle die Vorzüglichkeit des Mauerwerksbaus gegenüber dem Holzbau betonten. So erklärte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE), dass bei der Holzbauweise ein Quadratmeter Wohnfläche eines Mehrfamilienhauses im Schnitt 67 € mehr kostet als bei einem Gebäude mit Mauerwerk. Bei Kosten eines gemauerten Gebäudes von 1414 €/m2, entspricht dies einem Preisunterschied von nicht einmal 5 %.

Steinhaus nachhaltiger als Holzhaus?

Wichtigstes Thema der Pressekonferenz war allerdings die Nachhaltigkeit – bisher das Aushängeschild des Holzbaus. Anderer Meinung ist da Dr.-Ing. Sebastian Pohl von der Life Cycle Engineering Experts GmbH (LCEE), der sich auf Nachhaltigkeit im Bauwesen spezialisiert hat. Nachhaltigkeit werde oft mit der CO2-Bilanz gleichgestellt, was seiner Meinung nach ein fataler Fehler sei, denn die Nachhaltigkeit eines Bauwerks werde nur zu rund 5 % von der CO2-Bilanz bestimmt. Die restlichen 95 % würden Faktoren wie Lebenszykluskosten, Umnutzbarkeit, thermischer Komfort oder der Rückbau beziehungsweise die Entsorgung bestimmen. Bei einer Nachhaltigkeitsbestimmung von Pohl unter diesen Gesichtspunkten ergab sich, dass bei einer Nutzungsdauer von 50 Jahren Holzhaus und Mauerwerk gleichauf liegen. Bei einer Nutzungsdauer von 80 Jahren haben Häuser aus Mauerwerk sogar eine bessere Bilanz als Holzhäuser.
Das Bauwesen steht für ein Drittel des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen in Deutschland. Da fällt es schwer zu glauben, dass der Baustoff Holz mit seinem Energie- und CO2- Einsparungspotenzial bei einer Nachhaltigkeitsuntersuchung schlechter abschneiden soll als der Mauerwerksbau. Bei der Betrachtung der sogenannten „Grauen Energie“ werden die Vorteile des Baustoffs Holz deutlich. Als „Graue Energie“ wird diejenige Energie bezeichnet, die für die Herstellung und spätere Entsorgung eines Baustoffes aufgewendet werden muss.
Bei Holz muss für die Herstellung lediglich die Energie zum Fällen und Weiterverarbeiten der Stämme aufgewendet werden, weit weniger als bei der Herstellung von Ziegel und Co. Auch das Recycling von Holz ist mit geringem Energieaufwand möglich, so können alte Holzbalken gehäckselt und zu Pressspanplatten weiterverarbeitet werden. Diese wiederum lassen sich am Ende ihrer Lebensdauer thermisch verwerten und erzeugen so umweltfreundliche Energie.
Hinzu kommt, dass die Hälfte des jährlichen Müllaufkommens aus schwer recycelbarem Bauschutt besteht, während Holz zu fast 100 % recycelbar ist. Und auch die CO2-Wirkung von Holz sollte noch einmal betont werden, denn ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO2. Wird Holz nicht genutzt und verrottet im Wald, so wird das gebundene CO2 wieder freigesetzt – also ein Nullsummenspiel für den Klimawandel. Verbautes Holz hingegen speichert den Kohlenstoff über längere Zeit. Insgesamt werden durch die Forst- und Holzwirtschaft jährlich rund 18 Mio. t CO2 gebunden oder substituiert, das entspricht 23 % des jährlichen Gesamtausstoßes in Bayern.

Nachhaltigkeit bei der Waldbewirtschaftung

Sebsatian Pohl warnte bei der Pressekonferenz vor einem „Raubbau am Forst“ und verwies darauf, dass der Holzvorrat der Fichte, die ja im Bauwesen eine große Rolle spielt, um 4 % abgenommen hat und der Fichtenholzeinschlag rund 15 % über der Zuwachsrate liegt. Dies sei „ jenseits der Grenzen einer nachhaltigen Forstwirtschaft“. Der Vorrat der Fichte hat abgenommen, aber das ist nicht die Folge eines Raubbaus, sondern vielmehr das Ergebnis eines politisch geförderten Waldumbaus – also sehr wohl eine nachhaltige Sache.
Die letzte Bundeswaldinventur (BWI) bestätigt für alle anderen Baum­arten in Deutschland einen weiteren Vorratszuwachs. Grund zur Sorge gibt allerdings, dass immer mehr dicke Bäume in den Wäldern stehen. Der Vorrat hat bei den Bäumen mit einem Brusthöhendurchmesser (BHD) unter 30 cm abgenommen. Fast der gesamte Vorratsanstieg findet bei Bäumen ab einem BHD von 50 cm statt. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung dar, denn die Holzwirtschaft hat sich zunehmend auf die Verarbeitung schwacher und mittlerer Stämme spezialisiert. Hier müssen dringend Lösungen gefunden werden, sei es das Starkolz ernergetisch oder durch neue Technologien stofflich zu nutzten.
Als letzten Punkt führte Pohl auf, dass Deutschland bereits heute auf enorme Nadelholzimporte für die Bauwirtschaft angewiesen sei. In Deutschland werden von den jährlich zuwachsenden 80 Mio. fm Nadelholz aber nur 57,2 Mio. fm genutzt, in Bayern werden bei einem Zuwachs von 21,7 Mio. fm rund 19 Mio. fm jährlich genutzt. Deutschlandweit würde daher noch einiges an Nutzungspotenzial zur Verfügung stehen.
Im Jahr 2015 wurden 4,6 Mio. fm Nadelrundholz nach Deutschland importiert, was 8 % des jährlichen Einschlags entspricht. Gleichzeitig wurden 2015 1,9 Mio. fm exportiert. Bis 2008 war Deutschland Nettoexporteur von Nadelrohholz, seit 2009 verzeichnet Deutschland jährlich Nettoimporte von Nadelrohholz. Dabei stammen rund 70 % des zwischen 2013 und 2015 importierten Nadelrundholzes aus PEFC oder FSC zertifizierten Quellen, was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass ungefähr 30 % aus nicht zertifizierten Quellen stammen. Darauf sollte man wenn man mit Nachhaltigkeit wirbt, künftig verzichten, auch um Kritikern keine Angriffsfläche zu bieten.
Nicht nur die Steinbranche auch proHolz Bayern war auf der Messe Bau aktiv. So konnte der Vorsitzende Johann Koch etwa 100 Gäste zum Branchenabend „Holzbau für alle – Innovation durch Holz“ begrüßen. „Wald und Holz sind nur einsilbige Wörter, dahinter steckt jedoch eine Welt voll Emotionen, Visionen und Wundern“, stellte Koch fest. Holz sei ein moderner Baustoff, der vor unserer Haustür ständig nachwächst, dessen Verwendung aktiver Klimaschutz ist sowie die regionale Kreislaufwirtschaft mit vielen wertvollen Arbeitsplätzen stärkt. Der Kurzfilm über das Bauen mit Tanne, das Projekt leanWood zu effizienten Bauprozessen oder die Vorstellung eines dreigeschossigen Baues nur aus Laubholz zeigten beim Branchenabend, dass Kochs Worte nicht nur leere Versprechungen sind.

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