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Stimmung in der Landwirtschaft

Trockenheit drückt Stimmung weiter nach unten

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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
23.07.2018

Konjunkturbarometer zeigt deutlich verminderte Investitionstätigkeit

Konjunkturbarometer

Die wirtschaftliche Stimmung der deutschen Landwirte hat sich im Juni weiter verschlechtert. Hauptgrund sind trockenheitsbedingte Ernteeinbußen in vielen Regionen Deutschlands. Nach den neuesten Daten des Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat sich die Liquiditätslage der deutschen Landwirte wieder verschärft und die Investitionstätigkeit geht drastisch zurück.

Aktuell ist der Index des Konjunkturbarometer Agrar gegenüber der vorangegangenen Erhebung aus März 2018 von 22,1 Punkten auf 21,1 Punkte gefallen. Der aktuelle Indexwert liegt damit um 10,3 Punkte niedriger als im Juni 2017 und damit erheblich unter den relativ hohen Werten aus der Zeit von 2011 bis 2014. In der Spitze wurden seinerzeit 36,2 Punkte erreicht. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

Die Liquidität der Betriebe hat sich gegenüber dem Frühjahr deutlich verschlechtert. Grund dafür ist der eher liquiditätsarme Monat Juni in Verbindung mit der aktuell schwierigen Ernte- und Marktsituation bei wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Der Anteil der Landwirte, der die aktuelle betriebliche Liquidität als angespannt bewertet, ist im Osten Deutschlands mit 24 Prozent besonders groß. Unter den Betriebsformen ist die Liquidität vor allem in den Ackerbau- und Futterbaubetrieben angespannt.

Nur 25 Prozent der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; vor einem Jahr waren es entsprechend 31 Prozent. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,4 Milliarden Euro um 0,9 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Das ist gegenüber dem relativ hohen Investitionsniveau der Jahre 2013 und 2014 mit geplanten halbjährlichen Investitionsvolumina von gut 6 Milliarden Euro etwa nur die Hälfte. Investitionen in eine leistungsfähige Landwirtschaft sichern auch viele Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Investitionen in Ställe gehen grundsätzlich mit mehr Tierwohl einher.

Vom aktuell geplanten Investitionsvolumen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 1,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein deutliches Minus von 0,4 Milliarden Euro. Mit 0,7 Milliarden Euro fallen die vorgesehenen Maschineninvestitionen im Jahresvergleich um 0,2 Milliarden Euro niedriger aus. Während Investitionsvorhaben im Bereich Erneuerbare Energien im Jahresvergleich stabil bleiben, gehen auch die Landkäufe und die Investitionen in nichtlandwirtschaftliche Zwecke wie für Wohngebäude deutlich zurück.

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe mit 3,12 bewertet. Die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation erreicht mit 2,95 einen etwas besseren Wert. Gegenüber März fällt die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation in allen Betriebsformen schlechter aus. Besonders ungünstig wird die aktuelle wirtschaftliche Situation in den Ackerbaubetrieben gesehen. Die Zukunftserwartungen sind weiterhin eher von Skepsis geprägt. Allerdings sind die Entwicklungen in den einzelnen Betriebsformen unterschiedlich. Futterbau- und Ackerbaubetriebe blicken etwas positiver in die Zukunft als noch im März. Veredlungsbetriebe neigen dagegen zu einer pessimistischeren Einschätzung.

Neben den stark eingetrübten Ernteerwartungen ist die Preisentwicklung der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für die Beurteilung der Situation in den Betrieben. Niedrigere Schweine- und Rinderpreise sowie gestiegene Energie-, Dünge- und Futtermittelpreise wirken sich aktuell negativ auf die Stimmungslage aus. Auch die politischen Rahmenbedingungen wie die EU-Agrarpolitik und die Wettbewerbssituation innerhalb der EU werden gegenüber dem Frühjahr negativer beurteilt. Positiver Einfluss geht dagegen von etwas besser eingeschätzten Milch- und Getreidepreisen aus. Ein besonders belastender Einfluss geht unverändert von den Pachtpreisen aus. Relativ positiv werden hingegen besonders die Kapitalmarktzinsen und Leasing-Konditionen beurteilt.

Im Jahresvergleich mit Juni 2017 werden in fast allen Bereichen niedrigere Erzeugerpreise und höhere Betriebsmittelpreise beklagt.

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