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Molkereibranche

Überraschung im Milchsektor

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.09.2016

München - In die Molkereiwirtschaft kommt Bewegung.

Simon Michel-Berger

Beim Milchmarktstrukturgespräch von vergangener Woche überraschten einige der größten deutschen Molkereien mit der Ankündigung, nun doch bei einer Branchenorganisation Milch mitmachen zu wollen. So eine Organisation solle über Risikoabsicherung und Absatzförderung reden, nicht aber über Mengenbegrenzungen. Kommt also eine Art Milch-CMA, in der auch über Vertragsbeziehungen zwischen Erzeugern und Verarbeitern geredet wird?

Ganz so einfach ist die Sache nicht. Um eine Branchenorganisation nach Kriterien der EU zu gründen, müsste sie mindestens 60 Prozent der Erzeugung und Verarbeitung auf sich vereinen. Die großen fünf Molkereien, die jetzt auf den neuen Kurs eingeschwenkt sind, haben „nur“ 50 Prozent der Menge. Damit ließe sich also nur eine große überregionale Organisation schaffen, aber keine Plattform für das ganze Land. Im besten Fall würde daraus eine Leuchtturmorganisation werden, die mit gutem Beispiel vorangeht, im schlechtesten Fall nur wieder eine neue Einrichtung, die mit Vereinen wie einer Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft oder anderen Organisationen zur Exportförderung konkurriert.

Ob sie so eine neue Einrichtung will, muss letztlich die gesamte Milchwirtschaft sagen. Doch angesichts der Tatsache, dass fünf große Molkereien aus der bisherigen gemeinsamen Position ausscheren, scheint es für die Verarbeiter derzeit schwer, mit einer Stimme zu sprechen.

Klar ist: Wenn die neue Plattform Absatzförderung betreiben und vielleicht auch EU-Fördermittel einsammeln will, muss sie eigene Mittel erheben. Entweder von den Molkereien oder direkt von den Milcherzeugern. Absichtserklärungen kann dazu heute jeder leicht machen. Was passiert, wenn es zum Schwur kommt, steht auf einem anderen Blatt.

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