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Verbraucherpreise

Umweltbundesamt will höhere Preise für Milch und Fleisch

Milchkauf im Supermarkt
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
05.01.2017

München/Berlin - Das Umweltbundesamt (UBA) fordert eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte wie Milch und Fleisch von sieben auf 19 Prozent. Begründet wird die Forderung mit angeblich negativen Folgen der Tierhaltung für das Klima. Gleichzeitig solle der Staat die zusätzlichen Steuereinnahmen einsetzen, um den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von derzeit sieben Prozent weiter zu senken. Landwirtschaftliche Branchenverbände beurteilen den Vorschlag als unnütz.

„Mit irreführenden Zahlen und einem Tunnelblick auf die Landwirtschaft leistet man keinen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz.“ So kommentiert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, den jüngsten Vorstoß des Umweltbundesamtes (UBA). „Eine Strafsteuer auf Lebensmittel, wie vom Umweltbundesamt gefordert, hat keinen positiven Nutzen für das Klima, sondern verteuert vor allem den täglichen Einkauf für die Verbraucher.“ Die Begründung mit den Treibhausgas-Emissionen, die bei der Rindfleischerzeugung anfallen, betrachtet als nicht durchdacht: „Hier werden elementare Zusammenhänge ausgeblendet: Ohne Rinderhaltung ist kein Grünlanderhalt möglich.“

Hans Müller

Der Bayerische Bauernverband verwies unter dem Motto "Fleisch und Milch aus Bayern stehen für Nachhaltigkeit" auf bereits erbrachte Vorleistungen der Landwirtschaft. Hans Müller, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, erklärte: „Erst im April 2016 hat das UBA neue Daten vorgestellt, die zeigen, dass die Emissionen aus der Landwirtschaft zwischen 1990 bis 2014 um 15 Prozent abgenommen haben. So ist es möglich, dass die Landwirtschaft lediglich für sieben Prozent der Klimagase in Deutschland verantwortlich ist. Zum Vergleich: auf die Energiewirtschaft entfällt ein Anteil von 38 Prozent und beim Verkehr sind es 18 Prozent." Außerdem, so Müller, gehörten zu einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung neben Getreideprodukten, Obst und Gemüse auch Fleisch, Milchprodukte, Fisch und Eier.

Eckhard Heuser

Der Milchindustrie-Verband (MIV) in Berlin wies auf die soziale Ungerechtigkeit hin. „Eine höhere deutsche Mehrwertsteuer rettet sicherlich nicht das Weltklima und ist zudem sozial ungerecht“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Eckhard Heuser. Die Preise für Milchprodukte würden durch den erhöhten Steuersatz um 12 Prozent steigen. Dabei gehören Milch und Milchprodukte zu den Grundnahrungsmitteln der deutschen Bevölkerung. Familien mit kleinen Kindern und damit einem hohem Milchverbrauch sowie Personengruppen mit geringem Einkommen würden überproportional zur Kasse gebeten werden, bekräftigt Heuser.

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