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Beihilfe für Milchviehbetriebe

Ungefähr vier Tankfüllungen

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
15.09.2016

München - Ungefähr vier Tankfüllungen für den Schlepper (bei einem 200 Liter-Tank) – so viel könnte bei der Agrarministerkonferenz für einen durchschnittlichen bayerischen Milchviehbetrieb herauskommen.

Simon Michel-Berger

0,36 Cent je Kilo Milchablieferung sollen EU und Bund bezahlen, wenn ein Landwirt in einem noch festzulegenden Zeitraum seine Ablieferung nicht über eine Referenzperiode ausweitet. Bei einer durchschnittlichen Jahresmilchproduktion von 240 000 Kilo pro bayerischem Betrieb macht das rund 860 Euro – oder eben vier Tankfüllungen.

Das ist nicht viel. Selbst wenn es, wie geplant, die erste Hälfte bei Antragsstellung gibt, machen 430 Euro bei Betrieben, die schon lange kein Geld mehr auf die Seite legen konnten, das Kraut nicht fett.

Immerhin, jede Hilfe ist willkommen. Doch was ist mit den anderen Problemen der Bauern? Bei der Cross-Compliance drohen weiter unverhältnismäßig hohe Sanktionen für jede verlorene Ohrmarke. Beim Greening spricht die EU-Kommission von Vereinfachungen und tischt gleichzeitig Verschärfungen auf. Ein Beispiel ist das angedachte Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen.

Währenddessen verlassen Milchbauern, die Jahrzehntelang treu an ihre Molkerei geliefert haben, wegen zwei Cent, die sie woanders mehr bekommen, die Genossenschaft. Weil zwei Cent heute viel ausmachen können. Und die Genossenschaften? Tun noch immer zu wenig, um mit ihren Lieferanten (und Eigentümern) über neue Lieferbeziehungen zu reden und neue Ideen in die Praxis umzusetzen.

Vier Tankfüllungen sind schön. Aber sie werden die Lage für keinen Betrieb entscheidend verbessern. Das können langfristig nur die Landwirte gemeinsam mit ihren Molkereien. Es ist allerhöchste Zeit, dass hier mehr geschieht – gerade im genossenschaftlichen Bereich.

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