Login
Lebensmittelebezeichnung

Vegane Wurst - geht das?

Vegan
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
28.12.2018

Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission hat erstmals beschrieben, wie vegane und vegetarische Lebensmittel beschaffen sind.

Für Veganer und Vegetarier gibt es ein immer größeres Angebot an Lebensmitteln ohne Zutaten tierischen Ursprungs, darunter auch viele Fleischersatzprodukte. Die Bezeichnungen dafür waren bislang oft die gleichen wie für das Original aus oder mit Fleisch oder Fisch. Das sorgte für Unklarheiten und Fragen sowohl bei Fleischliebhabern als auch bei Veganern und Vegetariern.

Dies hat die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission zum Anlass genommen, in neuen Leitsätzen erstmals zu beschreiben, wie vegane und vegetarische Lebensmittel beschaffen sind. 

Entscheidend ist dabei die sensorische Ähnlichkeit der Eigenschaften zum in Bezug genommenen Lebensmittel tierischen Ursprungs. Als Faustregel gilt: Je enger sich vegane und vegetarische Lebensmittel an ihre tierischen Vergleichsprodukte anlehnen, desto ähnlicher müssen sie diesen sein.

Die Leitsätze erläutern daher nicht nur, was unter veganen und vegetarischen Produkten zu verstehen ist und wie sie hergestellt werden, sondern beschreiben auch, wie Lebensmittel bezeichnet werden, die bestimmten Fleisch-, Fisch- oder Feinkostsalaten mit Zutaten tierischen Ursprungs nachempfunden sind. Das wirkt sich bei den Lebensmitteln mancher Unternehmen auch auf Bezeichnungen von Lebensmitteln aus, die schon länger am Markt sind. Bezeichnungen, die sich auf gewachsene Fleischteile beziehen, zum Beispiel Filet oder Steak, sind bei fleischlosen Produkten unüblich. Der Gebrauch von Bezeichnungen von geschnittenen Fleischteilen und zerkleinertem Fleisch für vegane und vegetarische Lebensmittel, zum Beispiel Schnitzel oder Gulasch, sind hingegen üblich und etabliert. Zusätzlich ist bei solchen Lebensmitteln an gut sichtbarer Stelle ein Hinweis wie "vegetarisch" oder "vegan" und die maßgebliche ersetzende Zutat vermerkt.

Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs sind nicht rechtsverbindlich sind, sondern haben den Charakter sachverständiger Gutachten.

Es gibt kein fleischfreies Fleisch

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in den neuen Leitsätzen für vegane und vegetarische Lebensmittel allenfalls das Bemühen, mehr Klarheit und Wahrheit in die Kennzeichnung von Fleischersatzprodukten zu bringen. „Damit werden zwar der bestehende Wildwuchs bei Veggie-Bezeichnungen kanalisiert und die größten Auswüchse beseitigt“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. Nach wie vor sei aber schwer vermittelbar, wenn die Bezeichnung eines aus Pflanzenbrei bestehenden Stücks als „vegetarisches Schnitzel“ nicht beanstandet werde, während eine aus einem Fleischbrei geformte Schnitte zu Recht nicht „Schnitzel“ heißen dürfe.

Denn nach den Leitsätzen für echtes Fleisch und Fleischerzeugnisse ist ein Schnitzel eine zum Kurzbraten oder Grillen geeignete Scheibe von in natürlichem Zusammenhang belassenem sehnen- und fettgewebsarmen Fleisch. „Das passt nicht zusammen“, so Krüsken weiter. 

Auch interessant