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Editorial

Die Verwirrung ist fast komplett

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
23.02.2017

München - Haben sie eigentlich noch den Überblick? Ich tue mich da derzeit schon ein wenig schwer.

Sepp Kellerer

Da startet die Bundesumweltministerin eine verfehlte Plakatkampagne zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik. Ist das überhaupt ihr Zuständigkeitsbereich? Natürlich kriegt sie Gegenwind vom Bundeslandwirtschaftsminister. Sie stoppt die Aktion dann wieder, wohl auch, weil sie aus der eigenen Partei kritisiert wird, etwa vom sächsischen Ministerpräsidenten oder vom altgedienten mecklenburg-vorpommerschen Landwirtschafts- und Umweltminister. Auch die SPD-Agrarexperten im Bundestag und im bayerischen Landtag äußern sich gegen die Aktion. Aber von der Chefin der Bundesregierung hört man nichts.

Wie soll sich die Agrarpolitik nun entwickeln? Der Deutsche Bauernverband ist klar gegen eine zusätzliche Umverteilung von Ausgleichszahlungen von der ersten in die zweite Säule wie sie im Bundesrat derzeit diskutiert wird. Die erste Säule sei ein Ausgleich für höhere europäische Standards im Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz. Eine Umverteilung hätte eine direkte Senkung der landwirtschaftlichen Einkommen zur Folge. Die Familienbetriebe Land und Forst dagegen begrüßen die Initiative im Bundesrat. Sie würde zwar weniger Geld je Hektar bedeuten, aber mehr Geld für die Förderung der Ländlichen Entwicklung, für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen und für Tierwohlinitiativen.

Und wie soll sich die Landwirtschaft weiterentwickeln? Da stand zum Beispiel die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft immer für Selbstbewusstsein, Effizienz und den Fokus auf den eigenen Betrieb. Man müsse den Leuten hochmoderne Landwirtschaft nur richtig erklären und Alles würde sich zum Guten wenden. Plötzlich reden die gleichen Leute vom Korrigieren offenkundiger Fehlentwicklungen, vom Zurückgewinnen von Vertrauen.

Ein letztes Stichwort: Tierwohl. Da gibt es die Initiative der Wirtschaft, das Label des Tierschutzbundes und bald vielleicht eines vom BMEL. Das schafft Klarheit für den Verbraucher!

Genug der Verwirrung: Klar ist, dass Sie, liebe Leser, Ihre Höfe bewirtschaften, um hochwertige Nahrungsmittel zu erzeugen, dass Sie das in der Verantwortung des Generationenvertrages tun, und dass Sie dafür faire und verlässliche Rahmenbedingungen erwarten dürfen.

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