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Streuobstwiesen

Volksbegehren - Druck erzeugt Gegendruck

Streuobst
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
15.05.2019

Wer über Verbote seinen Willen anderen aufzwingen will, muss mit einer Gegenreaktion rechnen.

Ulrich Graf

Im Streit über den Biotop-Status von Obstgärten im Forchheimer Raum scheinen nun einige Betroffene ihr Fichtenmoped angeworfen zu haben und für vollendete Tatsachen gesorgt zu haben. Wobei ich Wert auf die Formulierung "scheint" lege. Dass ein Baum alt und ersetzt wird, ist ein naturgemäßer Verlauf. Wenn jetzt einige Mitbürger schon bei der Entnahme einzelner Bäume von einem Frevel reden sollten, dann hieße das nichts Gutes für die Zukunft. Das Versprechen, es soll eine Bewirtschaftung der Obstgärten in der üblichen Form weiterhin möglich sein, könnte man dann heute schon in die Tonne treten.

Interessant ist nun die Reaktion aus dem Initiatorenkreis des Volksbegehrens. "Wir wollen doch mehr, nicht weniger Streuobstwiesen." Das klingt schon fast naiv. Wenn ich per Ordnungsrecht jemanden eins überbrate, muss ich mit Gegenreaktionen rechnen. Diesen Pferdefuß am Ordnungsrecht müssen Verbotsmacher in ihr Kalkül mit einbeziehen.

Das heißt, der Schuss kann auch nicht hinten losgehen. Und das hat seinen Grund. Unser gesamtes System beruht auf dem Menschenbild des Homo oeconomicus. Der Mensch orientiert sich am wirtschaftlichen Nutzen. Das muss nicht Schlechtes sein. In der Summe kann das für alle Beteiligten ein erträgliches Auskommen bedeuten.

Es bedeutet aber auch, wenn die Wirtschaftlichkeit eines Handelns in Frage gestellt wird, zum Beispiel über Verbote, dann muss in diesem rational angelegten Menschenbild der Einzelne reagieren. In diesem Zusammenhang von emotional gesteuerten Überreaktionen zu reden, ist eigentlich fehl am Platz. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wer es dennoch tut, dürfte wohl die eigenen Schuld an dem Vorgang nicht wahr haben wollen. Und da gibt es auch nichts zu beklagen. Nein, bei drohenden wirtschaftlichen Verlusten fordert das Menschenbild des Homo oeconomicus eine Neujustierung. Das kann dann in einen Verbotswettlauf führen - vermeintliche Schlupflöcher werden gestopft.

Das Ganze findet dann ein Ende, wenn einer der Beteiligten nicht mehr mitspielen will. In der Regel ist das der Landwirt, der irgendwann keine wirtschaftliche Perspektive mehr sieht oder vor lauter Fallstricken sich nicht mehr auf die eigene Fläche wagt. Die Bauern suchen sich dann in Industrie, Handel oder Verwaltung ein neues Einkommensfeld. Das nennt sich dann Strukturwandel. Aber das will angeblich auch keiner. Dann heißt es von Umweltschützern: "Aber wir wollen doch mehr und nicht weniger Bauern." Sorry, aber der Hebel des Ordnungsrecht setzt einen Mechanismus in Gang, der die Bauern aus der Landwirtschaft vertreibt.

Denn irgendwann steht der Bauer vor dem Problem, dass er vor lauter Auflagen keine vernünftige Bewirtschaftung mehr hinbekommt. Und vernünftig heißt auch: Es muss aus wirtschaftlicher Sicht noch Sinn machen. An diesem Punkt ist dann meist die Stunde für einen der irrführendsten und ärgerlichsten Sätze schlechthin gekommen: "Aber die Bauern bekommen doch alles ausgeglichen." Dieser Spruch klebt in den Köpfen wie Fliegen am Honig. Auch wenn er pausenlos zitiert wird, er stimmt einfach nicht!

Wer sich einmal mit dem Thema befasst hat, weiß, alle Versprechen gelten unter dem Haushaltvorbehalt. Erst muss einmal Geld da sein, bevor es verteilt werden kann. Und wenn die Haushaltslage einmal nicht so rosig aussieht, kann es sein, dass es nichts zum Verteilen gibt. Dann heißt es, der Ausgleich schwindet, das Verbot bleibt. Das ist keine Basis für ein solides Geschäftsmodell und auch nicht das Prinzip eines solidarischen Handelns.

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