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Marktgesetze

Volksbegehren - herumdoktern an Symptomen

Biene
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
28.02.2019

Der Staat soll Gesetze weiter verschärfen. Letztendlich entscheidet aber der Verbraucher, was und wie produziert wird.

Ulrich Graf

Art und Umfang der landwirtschaftlichen Produktion bestimmt letztendlich der Verbraucher. Wenn der Großteil der Verbraucher bereit wäre, für ein Schnitzel von einem "glücklichen" Schwein einen adäquaten Mehrpreis zu zahlen, dann wären die entsprechenden Haltungsformen seit Jahren in der landwirtschaftlichen Praxis etabliert.

Genau daran hapert es aber, wie eine vom ritterwerk in Auftrag gegebene Studie zum Verbraucherverhalten belegt. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Verbraucher anders kauft als er denkt. Zum Einkaufen geht er zum Billiganbieter, obwohl er dort das geringste Vertrauen in die Produktqualität hat. Umgekehrt ist es so, dass er davon ausgeht, beim Bauern die höchste Produktqualität zu erhalten. Dort geht er aber so gut wie nicht hin.

Der Verbraucher ist ein zwangsgesteuertes Wesen

Das belegt: Im konkreten Kaufverhalten gibt es für den Großteil der Konsumenten ein zentrales Entscheidungskriterium. Das ist der Preis. Diesem Zwang unterliegt er selbst dann, wenn er weiß, dass es besser wäre, andere Kriterien, wie etwa das Tierwohl einzubeziehen. Der Konsument zeigt also ein paranoides Verhalten. Er kann dem Wahn nach billig einfach nicht widerstehen. So recht eingestehen will er sich das aber selber nicht. Da heißt es dann, "ich würde ja wenn. . . "

Damit kann man jede Verbraucherumfrage und jeden Verbraucherkommentar in die Tonne klopfen. Denn der Großteil der Verbraucher wird immer sagen, dass er bereit ist, für mehr Tierwohl einen Aufpreis zu zahlen und das Schlimme daran: Er glaubt wohl selbst daran. Im Einkaufskorb wird sich diese Aussage aber nie widerspiegeln.

Damit haben wir ein krankes System. Das ist aber nicht die Landwirtschaft sondern das Verbraucherverhalten. Das Problem daran: In einem Land der Schnäppchenjäger wird dies aber kaum mehr wahrgenommen.

Wenn wir weiter nur die Landwirtschaft in die Pflicht nehmen und den Verbraucher außen vor lassen, doktern wir an den Symptomen herum, die Ursachen beheben wir nicht. Der Landwirt kann dem Wunsch des Verbrauchers nach billig nur über die Kostenschraube gerecht werde. Wer teuer produziert und billig verkaufen muss, ist morgen vom Markt verschwunden.

Jetzt über das Ordnungsrecht Auflagen für Landwirte zu erhöhen, mag für den Patienten kurzfristig eine kleine Linderung bedeuten, gesund machen wir ihn damit aber nicht!

Die Heilung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wer da glaubt, die Schuld an anderen festmachen zu können, wird seiner eigenen Verantwortung nicht gerecht.

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