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Europaparlament (EP)

Wird die Waldwirtschaft gedeckelt?

Seitlicher Lichteinfall im Wald
pd
am
12.07.2017

Brüssel - Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments verabschiedete heute einen Berichtsentwurf des Europa-Abgeordneten und Berichterstatters Norbert Lins zur Verordnung über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF). Diese Politik ist für die Forst- und Landwirtschaft von zentraler Bedeutung, da sie die Vorteile der Waldbewirtschaftung und der Verwendung von Holz für das Klima definiert.

Ein entscheidender Aspekt der Verordnung ist, wie Emissionen und Absorptionen der Wälder angerechnet werden. Die Europäische Kommission schlug als Teil des Klima- und Energierahmens 2030 neue EU-LULUCF-Anrechnungsregeln für Wälder in Form der Verwendung eines „Waldreferenzniveaus“ vor, das sich auf die vergangenen Maßnahmen und Intensität der Bewirtschaftung im Zeitraum 1990-2009 stützt.

Der Umweltausschuss beschloss heute, diesen Ansatz weiterzuverfolgen, indem er für einen Kompromiss stimmte, laut dem die Intensität der Waldbewirtschaftung von 2020-2030 mit dem Zeitraum 2000-2012 verglichen wird.

Dieser Ansatz, die künftige Nutzung der Wälder mit einer historischen Bewirtschaftungsintensität zu vergleichen, wurde von der Forst- und Landwirtschaft scharf kritisiert. Diese Sektoren weisen darauf hin, dass Waldreferenzniveaus aktuellste Daten zu Waldressourcen und den entsprechenden Politiken berücksichtigen müssen, um das Potenzial des langfristigen Nutzens in Sachen Abmilderung des Klimawandels und Anpassung, der sich aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Holzernteprodukten ergibt, voll ausschöpfen zu können.

„Wir sollten Länder, die früher nicht das volle Nachhaltigkeitspotenzial ihrer Wälder genutzt haben, nicht abstrafen. Die Mitgliedstaaten sollten die Möglichkeit haben, ihre wachsenden Wälder zur Entwicklung einer Bioökonomie ohne fossile Energieträger zu nutzen. Waldbesitzer sollten dazu in die Lage versetzt werden, auch weiterhin in nachhaltige Waldbewirtschaftung zu investieren – dies ist die beste langfristige Strategie für die Wahrung von Kohlenstoffsenken und die Sicherung der Klimavorteilen von Wäldern“, so die Generalsekretärin von CEPF, Emma Berglund.    

„Die Waldressourcen in Europa wachsen. Wir sollten die Nutzung nachhaltig erzeugten Holzes aus europäischen Wäldern fördern, um die Klima- und Energieziele zu erreichen und eine nachhaltige Bioökonomie zu entwickeln. De facto fordert die EU-Forststrategie die Bewirtschaftung, das Wachstum und die Nutzung von Wäldern, und dies ist weit mehr, als sie nur als Kohlenstoffsenken anzusehen“, so Piotr Borkowski, Executive Director von Eustafor.

„Ein dynamisches Waldreferenzniveau ist essenziell, um sicherzustellen, dass dort investiert wird, wo es am wichtigsten ist: in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Halten wir die Wälder Europas auf einem wachstumsfreundlichen Zielpfad, mit dem sowohl die forstlichen Kohlenstoffsenken Europas gewahrt bleiben als auch das wahre Potenzial der Bioökonomie entfesselt wird!“ sagte Sylvain Lhôte, der Generaldirektor von CEPI.

„Die Verwendung von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist DER Schlüssel zur konkreten Bewältigung des Klimawandels. Die europäischen Gesetzgeber müssen den Ehrgeiz haben, ein kohärentes, dynamisches Waldreferenzniveau festzulegen, um die forstlichen Kohlenstoffsenken zu wahren und eine adäquate Materialverfügbarkeit sicherzustellen, dank der die Gesellschaft voll von der CO2-Speicherfunktion von Holzernteprodukten profitieren kann“, so Patrizio Antonicoli, der Generalsekretär von CEI-Bois.

„Wir bedauern das Abstimmungsergebnis des Umweltausschusses zutiefst“, betonte die Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Umwelt“ von Copa & Cogeca, Liisa Pietola. „Sie ist ein Verlust für Wachstum und Beschäftigung in der ländlichen Gemeinschaft und für das Klima. Die Länder leiden zunehmend unter extremen Witterungsbedingungen und Waldbränden. Dies wird sie noch weiter benachteiligen. Die Land- und Forstwirtschaft sind die einzigen Sektoren, die Emissionen aus der Atmosphäre absorbieren. Die Stellungnahme des Landwirtschaftsausschusses wurde komplett ignoriert.“

Die Dachverbände der Forst- und Landwirtschaft in Brüssel appellieren an alle Mitglieder des Europäischen Parlaments, mit Bezug auf die Abmilderung des Klimawandels und die Anpassung durch die Forstwirtschaft das große Ganze im Blick zu behalten. In der Übergangszeit von einer Gesellschaft mit fossilen Energieträgern hin zu einer Gesellschaft ohne fossile Energieträger werden alle Absatzmärkte der Forstwirtschaft benötigt. Der Nutzen sollte langfristig bewertet werden.

EUSTAFOR, Copa und Cogeca, CEPF, CEPI und CEI-Bois bleiben zuversichtlich, dass die anstehenden Diskussionen im Europäischen Parlament und im Rat sich positiv auf die weitere Entwicklung des Vorschlags auswirken werden.

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