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Wahlnachlese

Der Warnschuss hallt nach

Demo Klima
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Alexandra Königer, Wochenblatt
am
06.06.2019

Union und SPD laufen die Jungwähler davon. Die GroKo-Parteien sind alarmiert und räumen Versäumnisse beim Klimaschutz ein.

Alexandra Königer

Während in Österreich mit der Berufung des Übergangskabinetts langsam wieder Ruhe einkehrt, herrscht jetzt nach dem plötzlichen Rücktritt von SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles in Berlin das Chaos. Die Zukunft der GroKo ist offen, für gründliche Wahlanalysen keine Zeit. Die aber sollten sich Union und SPD nehmen. Betrachtet man das Verhalten von Jungwählern, müssen in den Regierungsparteien die Alarmglocken schrillen.

Junge Wähler wenden sich von CDU, CSU und SPD ab. Zwei Ursachen haben die Parteien für sich schon gefunden: Sie haben die Klimapolitik vernachlässigt und die Wucht der Fridays-for-future-Bewegung unterschätzt. Und die CDU hat ein erbärmliches Bild abgegeben im Umgang mit dem CDU-kritischen Youtuber Rezo. Wer auf ein millionenfach geklicktes Video mit einem elfseitigen, eng beschriebenen PDF-Dokument voller Rechtfertigungen reagiert, hat den gesellschaftlichen Anschluss verpasst. Die jungen Leute wollen Antworten, ihre Geduld ist am Ende. Und sie haben recht.

Jeder, der jetzt sagt, es gibt keine einfachen Lösungen – beispielsweise beim Klimawandel, hat auch recht, gesteht aber gleichzeitig ein, das Thema verschlafen zu haben. Das Gewürge, die gegenseitigen Schuldzuweisungen, Gutachten einholen (beispielsweise im sogenannten Klimakabinett) und ewige Rumlavieren der GroKo ist unerträglich.

Einen kleinen Schritt in die richtige Richtung macht Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mit ihrer Junglandwirte-Kommission. Das Motto: Zuhören und Ideen aufgreifen. Dabei kann sie große Fehler machen: Die Ergebnisse, auch wenn sie für die CSU unangenehm sind, nicht umsetzen – oder sich mit der Umsetzung zu viel Zeit lassen. Auch wenn die Landwirte CDU und CSU bei der Europawahl die Treue gehalten haben: Der Warnschuss der Jungwähler hallt nach.

Zum Hintergrund: Großer Zuspruch für die Grünen bei jüngeren Wählern

Bei deutschen Jungwählern können Union und SPD kaum punkten, die Grünen dagegen haben bei der Europawahl großen Zuspruch bekommen und sind sogar die erfolgreichste Partei bei den unter 60-Jährigen(siehe Grafik ). Ähnlich sieht die Lage in Bayern und Österreich aus: Bei unter 25-jährigen Wählern bekommt die bayerische CSU nur einen Zuspruch von 16 % (Europawahlergebnis in Bayern 40,7 %), die SPD von 5 % (9,3 %). Satte 30 % haben dagegen laut Infratest dimap grün gewählt (19,1 %).

Ähnlich schlecht schneidet die ÖVP bei unter 30-Jährigen in Österreich ab, wo sie nur 16 % (34,6 %) holte. Die SPÖ erhielt von den Jungen immerhin 22 % (23,9 %), die FPÖ 17 % (17,2 %). Bei der Europawahl bekamen die österreichischen Grünen 14 %, unter den Jungwählern machten mit 28 % doppelt so viele ihr Kreuz bei der Ökopartei.

Bayerns Grünen-Chef Eike Hallitzky erklärte: „Das zeigt, dass wir die besten Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft haben: Klimaschutz, Artenvielfalt, sozialer Zusammenhalt und eine klare Kante gegen Rechts.“ Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder erklärte die Grünen zum Hauptgegner. Es könne die CSU auf keinen Fall kaltlassen, dass die Grünen doppelt so viele Erst- und Jungwähler hätten. „Das geht nicht. Wir müssen jünger, moderner, cooler werden“, sagte er. Ein Konzept soll nun dabei helfen, „wie wir vom Themensetting her als auch von der Ansprache schlicht und einfach jünger und jugendgerechter werden“.

Hier ein Überblick zum Wahlverhalten bei der Europawahl

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