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Wasserschutz und Bauernsterben

Quellwasser
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
01.03.2018

Ja ich weiß, dass man auf unsachliche Kritik und überzogene Forderungen nicht mit Polemik sondern mit Argumenten reagieren soll, aber irgendwann ist eine Grenze überschritten.

Sepp Kellerer

Da flattert doch gestern eine Pressemitteilung ins Postfach mit der Überschrift „Stoppt die Gülleverschmutzung – Schützt unser Wasser!“ Allein das muss bei einem rechtschaffenen Landwirt schon zu einem Anstieg des Blutdruckes führen.

Im Text dazu wird dann berichtet, dass eine Allianz von elf Organisationen (Wasserversorger, Umweltorganisationen und eine Gewerkschaft), der geschäftsführenden Bundesumweltministerin eine Petition übergeben hat und darin wirksamen Schutz der Trinkwasserressourcen fordert. Mit der Aussage, dass hinter der Allianz 1400 Unternehmen und Organisationen stehen, die zusammen zwölf Millionen Menschen erreichen, wird den Forderungen Nachdruck verliehen. Ob das wohl als Drohung an die Umweltministerin zu verstehen ist? Die Bäuerinnen und Bauern müssen es als Bedrohung verstehen.

Was dem Fass allerdings den Boden ausschlägt, ist folgende Formulierung: Sollte sich bei den Nitratmessungen im laufenden Jahr herausstellen, dass der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser weiterhin überschritten wird, ist eine Nachjustierung der bestehenden Gesetze und Verordnungen erforderlich.

Das ist schlichtweg unlauter. Die Wasserversorger wissen doch ganz genau, dass es gar nicht gelingen kann, in diesem Jahr die Nitratwerte im Grundwasser zu senken. Sie holen das Wasser ja nicht von der Oberfläche, in vielen Veröffentlichungen der Wasserversorger ist zu lesen, dass das Wasser, das sie fördern, 10, 15, 20 oder 30 „Jahre alt“ ist.

Ebenso unverfroren ist der Zeitpunkt dieser Forderungen. Gerade erst sind die von staatlicher Seite notwendigen Daten und Werte für die neue Düngeverordnung verfügbar, landauf, landab quälen sich die Betriebe brav durch dieses neue Bürokratiemonster und gar nicht so selten hört man den Seufzer, jetzt habe ich es endgültig satt. Auch in der besagten Pressemitteilung der Initiative „Gülleverschmutzung stoppen“ wird die Vertreterin einer Organisation mit dem Satz zitiert, dass die Düngeverordnung das Höfesterben anheizt. Richtig erkannt, liebe Wasserschützer. Und Aktionen wie die Eure machen aus dem angeheizten Feuer einen richtigen Flächenbrand!

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