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Biolandbau

Ein weiter Weg zu 20 Prozent

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.02.2017

München - Das Ziel ist gut: 20 % der landwirtschaftlichen Fläche sollen mittelfristig ökologisch bewirtschaftet werden (Stand 2015: 6,5 %). So sprach Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vergangene Woche auf der Biofach und kündigte unter anderem ein Plus von zehn Millionen Euro bei der Förderung an.

Simon Michel-Berger

Kommt das jemand bekannt vor? Schon 2003 gab die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast das gleiche Ziel aus – allerdings schon für 2013. Es stimmt, der Ökolandbau wächst seit einiger Zeit besonders stark. Der Verdienst gebührt allerdings weniger der Politik als vielmehr der Lage auf den Märkten: Gerade in Bayern haben viele Milcherzeuger angesichts schlechter Preise im konventionellen Bereich auf Öko umgestellt oder befinden sich in der Umstellung.

Erfreulich ist es in jedem Fall, wenn der Bund mehr für den Ökolandbau tun will. Doch findet sich in Schmidts fünf Handlungsfeldern und 24 Maßnahmen wenig Neues. Das erste Handlungsfeld „Rechtsrahmen kohärent und zukunftsfähig gestalten“ erschreckt fast ein wenig. Heißt das, der Bund hat es in all den Jahren nicht geschafft, einen vernünftigen Rechtsrahmen zu schaffen? Dann wäre es ja kein Wunder, wenn es seit 2003 nicht gelang, die 20 Prozent zu erreichen. Doch im Ministerium scheint man an dieser Stelle vor allem die Reform der EU-Ökoverordnung zu meinen.

Ein Mehr an Ausbildung, Beratung und Austausch, wie Schmidt es fordert, ist jedenfalls sinnvoll. Aber hier sind die Länder in der Pflicht – und überall erleben wir, wie die staatliche Beratung zurückgefahren wird. Es gibt Ausnahmen, etwa im Rahmen des bayerischen BioRegio2020-Programmes, aber der Trend geht in die andere Richtung. Hübsch anzuschauen ist die Hochglanzbroschüre des Ministeriums auf jeden Fall. Ob auch genug Geld da ist, um sie mit Leben zu füllen, muss sich zeigen.

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