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Deutscher Bauerntag

Auf dem Weg zum Hochkostenland

Schwein auf Stroh
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
01.07.2019

Im Forum Tierhaltung gab es insgesamt ein Bekenntnis zu mehr Tierwohl. Dennoch wurde intensiv darüber gesprochen, nach welchen Kriterien dieses im Detail ausgestaltet sein könnte.

Der Tierethiker Professor Peter Kunzmann machte klar, dass die bisherige Sichtweise, den Tieren solle es „nicht schlecht“ gehen, nicht mehr ausreiche. Heute sei der gesellschaftliche Anspruch, den Tieren solle es „besser“ gehen. Die Fortschritte bei verbesserten Haltungsformen könnten dabei für den Nicht-Landwirt durch tierbezogene Indikatoren verdeutlicht werden. Manche wünschen sogar, es solle ihnen „super gut“ gehen. Dahinter steckt in der Regel das Verständnis des Tieres als Lebenspartner des Menschen. In der Nutztierhaltung sei dies jedoch nicht zu erreichen.

Aus ökonomischer Sicht prognostizierte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wegen der Tierwohldebatte einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, denn Deutschland beschleunige dadurch die Entwicklung zum „Hochkostenland“. Dies birgt die Gefahr, dass die Tierhaltung ins Ausland verlagert würde. Daher könne aus seiner Sicht eine Haltungsformkennzeichnung verbunden mit einer Herkunftskennzeichnung ein wichtiger Baustein für eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung sein. „Moral steckt im Regal“ so Hortmann-Scholten.

Als Fazit der Diskussion wird festgehalten, dass eine sorgfältig durchdachte Nutztierhaltungsstrategie zur Herstellung von Planbarkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen dringend erforderlich sei. 

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