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Agrarpolitik

Auf dem Weg nach Jamaika?

Jamaikaflagge über Maissfeld
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
28.09.2017

Fahrt ins Ungewisse: Eine mögliche Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen besorgt viele Bauern. Was die Agrarpolitik jetzt braucht, ist Sachlichkeit statt Populismus - auf allen Seiten. Ein Kommentar von Simon Michel-Berger.

Simon Michel-Berger

Das politische Erdbeben, das Bayern (und Deutschland) mit der Bundestagswahl erschüttert hat ist noch nicht vorbei, doch sind aus agrarischer Sicht bereits einige Dinge klar: Mehr noch als alle anderen Wählergruppen haben die Landwirte weiter zur Union gehalten. 61 Prozent haben im Bundesdurchschnitt ihr Kreuz bei CDU/CSU gemacht. Nur acht Prozent, so wenige wie in keiner anderen Bevölkerungsgruppe, haben für die AfD gestimmt. Aber trotzdem haben viel mehr Bauern als 2013 ihr zweites Kreuz alternativ gesetzt. Die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin und im Zusammenhang damit ein Gefühl, bei der CSU nicht mehr gut aufgehoben zu sein, haben wohl sogar diese treuesten aller Unionswähler aufgewühlt.

Was wollen die Wähler jetzt? Angesichts der Lage bei den Direktstimmen im Freistaat ist die Antwort klar: Mehr vom politischen Betrieb unverbrauchte Leute wie die 30-jährige CSU-Direktkandidatin Emmi Zeulner (Kulmbach), die als pragmatische, für ihren Wahlkreis höchst engagierte Frau von sich reden macht – und mit 55 Prozent der Erststimmen nur 1,5 Prozent gegenüber 2013 verloren hat.

Wollen die Bauern jetzt eine Jamaika-Koalition? In Schleswig-Holstein scheint das zu funktionieren. Kann etwas Gutes herauskommen, wenn bei der Nutztierhaltung Schwarz und Grün in der Verantwortung wären?

Im Bund würde das mit den jetzigen Personen schwer. Anton Hofreiter oder Katrin Göring-Eckardt als Umwelt- oder gar Landwirtschaftsministerin? Da stimmt schon die Chemie mit den aktuellen Spitzen von Union und Liberalen nicht – anders als in Schleswig-Holstein, wo sich Agrarminister Habeck (Grüne) und Fraktionsvorsitzender Kubicki (FDP) gut verstehen. Die Agrarpolitik braucht jetzt aber dringend mehr Sachlichkeit und nicht mehr Populismus – auf allen Seiten.

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