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Wolfsmanagement

Weidetierfreie Zonen?

Wolf im Wald
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
07.09.2017

München - Wieder einmal haben Naturschutzverbände einen Vorstoß unternommen, um den Weidetierhaltern klarzumachen, dass ein Zusammenleben mit dem Wolf möglich sei.

Simon Michel- Berger

Es brauche nur Zäune und Hunde und wenn doch einmal ein Tier gerissen werden sollte, werde der Staat das schon kompensieren. Zum ersten Mal haben sie auch einen kleinen Berufsverband gefunden, der diese Position mitträgt. Auf die Vorschläge der viel größeren Vereinigung der Landesschafzuchtverbände sind WWF und Co. hingegen nicht eingegangen. Es ist ja auch wahnsinnig anstrengend, gemeinsame Positionen auszuarbeiten.

Nicht müde wird man im Lager der Umweltschützer hingegen zu betonen, dass wolfsfreie Zonen gar nicht möglich seien, weil immer wieder neue Wölfe nachrücken würden. Auch könnten Abschüsse die Gesamtzahl der Nutztierrisse steigern, weil jüngere Wölfe auf leichtere Beute wie Schafe ausweichen würden.

Mag sein, aber Bayern war die letzten 150 Jahre wolfsfreie Zone und in dieser Zeit ist viel in unserer Kulturlandschaft passiert. Dass eine Koexistenz von Wolf und Weidetieren eben nicht so funktioniert, wie mancher Umweltschützer das gerne hätte, zeigt Südtirol. Gerissene und schwer verletzte Tiere machen dort das Bestoßen einzelner Almen bereits unmöglich. Auch im Salzburger Land und in Oberbayern gibt es mittlerweile jeweils eine Alm, die aus Angst vor dem Wolf nicht mehr bestoßen wird.

Der Verdacht drängt sich auf, dass die Naturschützer etwas ganz anderes wollen als die Koexistenz von Wolf und Nutztier: Nämlich weidetierfreie Zonen, in denen die Natur möglichst sich selber überlassen wird. Die Kosten dafür sollen die Nutztierhalter oder der Staat tragen. Aber wie viel will sich unsere Gesellschaft jeden Wolf im Jahr kosten lassen? Hunderttausend Euro? Eine Million? Noch mehr?

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