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Molkereien

In Weiding gehen die Lichter aus

Manfred Peter
am
23.02.2017

Weiding - Der Standort Weiding der Genossenschaftsmolkerei Hochwald wird zum 31. März 2018 geschlossen.

Molkerei

Es herrschte schon längere Zeit eine gewisse Unsicherheit im Hause Hochwald, so der Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft (Meg) Altötting-Mühldorf, Johann Bauer, und trotzdem sehe er jetzt die Treue der Bauern zu ihrem Abnehmer mit Füßen getreten. Denn unter den Lieferanten gebe es viele, die bereits seit Jahrzehnten nach Weiding geliefert haben.

Die Nachricht der Schließung wurde Bauer am Dienstagvormittag nach der Betriebsversammlung mit den rund 230 betroffenen Mitarbeitern am Standort Weiding kurzfristig und unvermittelt mitgeteilt. Die Meg Altötting-Mühldorf ist die größte Meg in Deutschland. Unter ihrem Dach werden 270 Mio. kg Milch gebündelt. Die Meg vermarktet ihre Milch an insgesamt fünf Molkereien. Der größte Vertragspartner ist (war) Hochwald. Von der Schließung des Weidinger Werks werden rund 600 Lieferanten der Meg betroffen sein, die jährlich rund 150 Mio. kg an Hochwald lieferten.

„Dieser Beschluss gehört zu den schwersten in der Geschichte von Hochwald“, sagt Detlef Latka, Chief Executive Officer, der geschäftsführende Vorstandvorsitzende der Hochwald Foods GmbH, laut einer ersten Pressemitteilung des Unternehmens vom Dienstagvormittag. Man habe vor der Entscheidung alle Möglichkeiten gründlich geprüft und nun solle zügig mit den Verhandlungen zu einem Interessensausgleich und Sozialplan begonnen werden, heißt es im Text weiter. Teile der Produktion würden an andere Standorte der Hochwald-Gruppe verlagert, erklärt Karl Eismann, Chief Operating Officer. Wir konzentrieren uns auf unsere Produktionsstätten in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und dem niederländischen Bolsward. Bei einer Pressekonferenz wurde auch die Meinung vertreten, dass nach dem Quotenende zu viel Milch gekommen sei und die Genossen jetzt den Riegel vorschieben.

Die Hintergründe der Schließung seien vielschichtig, sagte Latka. Der Milchmarkt gestalte sich nach wie vor schwierig und die Eigentümer hätten den Auftrag gegeben, alle Standorte auf ihre Kosteneffizienz zu überprüfen. Es zeigte sich, dass sich der Standort Weiding nicht mehr rentiere. Der Vergleich mit anderen Standorten zeigte Kostennachteile und es wurden alle Standorte geprüft, fügte Eismann ein. Nach den Worten von Latka soll keiner im Regen stehen gelassen werden und einem Wechsel zu anderen Abnehmern solle nichts im Wege stehen.

Wie Bauer hatte auch der Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer die Bedenken geäußert, dass die Marke „Bärenmarke“ dadurch geschädigt wird. Dies wollte Latka nicht bestätigen und meinte, dass die erfolgte Umstellung der Verpackung der Marke gut verlief und nicht erkennen lasse, dass die Marke einen Schaden davon getragen habe. Auf der Lieferantenseite wurden auch Bedenken geäußert, ob die Milchabholung bis zum geplanten Schließungszeitpunkt gewährleistet werden kann. Sicher sei damit zu rechnen, dass Fachkräfte am Standort kurzfristig kündigen würden, meinte Latka. Doch verfüge Hochwald über einen Personalpool, mit dem dann die Ausfälle ausgeglichen werden könnten.

Abschließend meinte Latka, dass sich der Milchmarkt erhole und er davon ausgehe, dass die Milchbauern auch bei anderen Abnehmern unterkommen würden. Ebenso sei der Arbeitsmarkt von hochqualifizierten Fachkräften, wie sie am Standort Weiding vorhanden seien, leergefegt und darum bestünden für die Mitarbeiter gute Chancen am Arbeitsmarkt.

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