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Glyphosat

Weiß nicht/ trau mich nicht

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
27.05.2016

München - Früher gab es drei Möglichkeiten für ein EU-Land zu antworten, wenn es von der EU-Kommission um seine Meinung gefragt wurde.

Simon Michel-Berger

Ein „Ja“ war ein Ja, ein „Nein“ war ein Nein und eine „Enthaltung“ war de facto auch ein Nein. In der Debatte um die Wiederzulassung von Glyphosat wurde eine neue Antwortkategorie geschaffen: „Weiß nicht/trau mich nicht, mich festzulegen“. Als es letzte Woche zum Schwur kam, wie es mit Glyphosat weitergehen soll, wählten insgesamt sechs Staaten, darunter Deutschland und Österreich, diese Option.
Der Vorteil: Es ist nichts entschieden und niemand kann einem einen Strick daraus drehen. Der Nachteil: Es ist nichts entschieden und wie es weitergeht, das weiß keiner.
Längst ist die Diskussion um die Wiederzulassung von Glyphosat nur noch eine emotionale. Die eine Seite trägt das Wort „Krebsgefahr“ wie eine Standarte vor sich her. Die andere versucht, mit immer neuen Untersuchungen Gemüter zu beruhigen, die nicht mehr zu beruhigen sind. Egal, dass auch Substanzen wie Kaffee genauso „wahrscheinlich krebserregend“ sind wie Glyphosat.
Die Leidtragenden sind all die Bauern, die den Wirkstoff verantwortungsvoll einsetzen. Davon gibt es, daran sollte so mancher Politiker erinnert werden, durchaus einige.
Aktuell läuft alles auf eine wahrscheinliche Kurzzulassung von Glyphosat für ein Jahr hinaus. Dann kommt eine neue Risikobewertung durch die Chemikalienagentur der EU heraus. Kritiker, die absolut gegen den Einsatz von Glyphosat sind, und ihre Unterstützer in der Politik wird das freilich nicht beeindrucken. Sie dürfen sich bereits heute freuen: Sie haben den einst wissenschaftlichen Prozess der Risikobewertung gekapert und zu einem emotionalen gemacht, in dem nichts mehr sicher ist. Der Stillstand in der EU-Politik schreitet wieder etwas voran.

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