Login
Kommentar

Wie weit geht die EU-Kommission?

Zebu in Brasilien
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
30.05.2018

Die EU prüft derzeit, eine zollbegünstigte Einfuhrquote von bis zu 100 000 t für Rindfleisch aus dem Mercosur-Block zu gewähren.

Simon Michel-Berger

Heiß diskutiert werden derzeit in Brüssel wieder einmal die Verhandlungen mit dem lateinamerikanischen Mercosur-Block. Bei den Exportmöglichkeiten für europäische Autos und Industrieprodukte hat man sich dem Vernehmen nach geeinigt, bleibt vor allem noch der Agrarbereich. Glaubt man einigen Signalen, die man derzeit hinter den Kulissen aus Brüssel hört, stehen beide Seiten kurz vor einer Einigung.

Der irische Agrarkommissar Phil Hogan hat sich dabei angeblich auf die Fahnen geschrieben, den Südamerikanern weniger als 100 000 Tonnen zollbegünstigte Einfuhrquote für Rindfleisch zu gewähren. In seiner irischen Heimat, für die der Export von Milchprodukten und Rindfleisch bekanntlich ein sehr wichtiges Geschäft ist, bräuchte er sich andernfalls wohl so schnell nicht mehr blicken lassen. Aber Hogan führt die Verhandlungen nicht und ist ohnehin nur eine Stimme in den Gesprächen. Dass die EU-Kommission bereit ist, Mercosur 99 000 Tonnen Einfuhrquote für Rindfleisch anzubieten, ist ein offenes Geheimnis. Die Frage ist eher, wird es doch noch mehr? Und was ist mit Zucker, Ethanol, Geflügelfleisch und all den anderen Agrarerzeugnissen, die bei einem Abkommen auf den EU-Markt drängen würden? Mittlerweile sagt sogar das Münchner ifo Zentrum für Außenwirtschaft, dass die Sorgen der Landwirtschaft wegen des Mercosur-Abkommens berechtigt sind.

Dabei ist Südamerika nicht einmal die einzige Baustelle. In den begonnenen Freihandelsgesprächen der EU mit Australien und Neuseeland gibt es für die heimischen Bauern viel zu verlieren und wenig zu gewinnen.

Es gab einmal eine Zeit, da wollte die EU lieber in der Welthandelsorganisation über Freihandel reden, damit sich Gewinn und Verlust auch für die Landwirtschaft eher die Waage halten. Doch das scheint endgültig vorbei.

Auch interessant