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Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes

Weiterentwicklung in der ganzen Vielfalt

pd
am
05.12.2016

Herrsching - Heidl forderte auf der Landesversammlung, die Vielfalt der bayerischen Land- und Forstwirtschaft zu erhalten.

Walter Heidl

Hinter den bayerischen Bauernfamilien liegen schwierige Wochen und Monate. „Die Preise am Boden und die ewigen Debatten über unsere Arbeit – wie geht es den Bäuerinnen und Bauern in dieser Situation? Und wie geht’s weiter?“, fragte Bauernpräsident Walter Heidl am Freitag vor rund 200 Delegierten. Er nahm den Besuch von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei der Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes zum Anlass, um die Menschen in den Mittelpunkt seiner Grundsatzrede zu stellen.

„Beim Blick aufs Konto stellt sich bei vielen Landwirten seit Längerem ein dumpfes Gefühl ein. Beim Blick in die Zeitung ist es ähnlich: einerseits die ständigen Schleuderangebote mit unseren Lebensmitteln, andererseits der Eindruck, dass in Zeiten des Postfaktischen die Sachargumente in der Politik zunehmend an Bedeutung verlieren und gezielt Stimmung gegen Landwirte gemacht wird. Dazu kommen Fernsehbeiträge, die unschöne Bilder von Stalleinbrüchen skandalisieren und verallgemeinern. Regelmäßig werden so Millionen Zuschauer ratlos zurückgelassen“, sagte Heidl.

Und noch etwas ist anders auf den Höfen: „Wenn im Stall eine Geburt ansteht und man bei dem Kontrollgang am späten Abend feststellt, dass eine sonst geschlossene Tür offensteht oder irgendetwas anders ist als sonst, wird einem inzwischen richtig mulmig. Man stellt sich unweigerlich die Frage: Haben sie jetzt auch bei uns eingebrochen? Dieses Gefühl ist unerträglich“, sagte Heidl. Aus einer kontroversen Diskussion über die Landwirtschaft ist in Heidls Augen inzwischen oft eine Schlammschlacht geworden. „Es gibt aber dennoch Situationen, in denen die Land- und Forstwirtschaft mit berechtigter Kritik konfrontiert wird und sich deshalb auch in Zukunft weiterentwickeln muss. Und wir werden diese Herausforderung annehmen. Wir werden diskutieren, unsere Arbeit erklären und gemeinsam dort anpacken, wo es nötig und wo es möglich ist“, sagte Heidl.

Die Land- und Forstwirtschaft in Bayern sei geprägt von bäuerlichen Familienbetrieben im Voll-, Zu- und Nebenerwerb und mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten. „Unser Ziel ist es, diese Vielfalt zu erhalten“, sagte Heidl. Es sei am Bauernverband, der Politik und der gesamten Gesellschaft die Besonderheiten der Höfe in Bayern als Chance zu begreifen und den Bauernfamilien einen gangbaren Weg in eine Zukunft mit einem Plus an Wertschöpfung und Lebensqualität zu eröffnen. „Es ist keine leichte Aufgabe, aber ich bin überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen können. Denn: Bayern braucht Bauern!“

Die Arbeit des Bayerischen Bauernverbandes drehe sich deshalb immer um die Bauernfamilien. Ein Beispiel: „In der überhitzten Debatte zu TTIP & Co. könnte es sich der Bauernverband leicht machen und Handelsabkommen einfach ablehnen. Die Frage ist nur: Geben wir damit eine ehrliche Antwort auf die Frage, wie wir die Vielfalt der Landwirtschaft und die Höfe in Bayern erhalten können?“, sagte Heidl. „Der Schutz unserer Standards ist Grundbedingung für Handelsabkommen. Die hohen Standards müssen wir unter allen Umständen verteidigen und bei den neuralgischen Punkten den Finger in die Wunde legen. Aber gleichzeitig müssen wir so ehrlich sein und eingestehen: Bayern ist auch ein Agrarstandort, weite Teile des Freistaates sind Grünland und so wird bei uns traditionell mehr Milch und Käse erzeugt, als wir selbst verbrauchen. Wir müssen also ein Interesse am Handel mit hochwertigen Lebensmitteln haben, denn nur so können möglichst viele Bauernhöfe in Bayern erhalten werden. Das ist aus meiner Sicht ehrliche Politik für die Bauernfamilien!“

Ein weiterer Bereich, der über Wohl und Wehe der Bauernhöfe in Bayern entscheidet, ist die Tierhaltung. Drei von vier Bauern im Freistaat halten Tiere, 76 Prozent der Einkommen auf den Bauernhöfen werden mit der Tierhaltung erwirtschaftet. „Nachdem Priska Hinz, die grüne Landwirtschaftsministerin aus Hessen, die Anbindehaltung bei Rindern über den Bundesrat verbieten wollte, war die klare Absage von Landwirtschaftsminister Schmidt für ein solches Verbot wichtig. Schließlich haben in Bayern noch die Hälfte der Milchviehhalter ihre Tiere in Anbindehaltung – und auch die gehen sorgsam mit ihren Tieren um“, sagte Heidl.

Der Trend gehe klar zum Laufstall, aber trotz Fördergeldern brauchen die dafür nötigen Investitionen Zeit. Durch ein Verbot würde gerade auf vielen kleineren Höfen innerhalb kürzester Zeit das Licht ausgehen. Auch die Grünen hätten laut Heidl inzwischen verstanden, dass das ein „politisches Eigentor“ wäre. „Nun aber versuchen die großen Handelskonzerne mit neuen Vorgaben für Milchprodukte gerade jene Bauernfamilien ins Abseits zu drängen, die sie in Werbespots so gern herzeigen. Das ist unredlich und setzt die Vielfalt unserer Landwirtschaft aufs Spiel!“, kritisierte Heidl. „Ich sage: Wir können und wollen beides – die bayerische Vielfalt erhalten und unsere Höfe weiterentwickeln. Das ist Weiterentwicklung in Vielfalt“, sagte Heidl. „Dafür stehen wir als Bayerischer Bauernverband und deshalb arbeiten wir an gangbaren Lösungen. Das muss unser Weg, das muss der bayerische Weg sein!“

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