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Wettbewerb um die Pachtfläche

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
03.08.2017

München -Die Situation auf dem Pachtmarkt ist weiterhin angespannt. Wie die jetzt vorliegenden Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung zeigen, sind die Pachtpreise seit dem Jahr 2013 um rund 17 Prozent gestiegen.

Für ein Hektar Ackerland werden bei Neuverpachtungen im Schnitt derzeit 524 Euro erzielt, hat das Landesamt für Statistik ermittelt. Der Anstieg der Pachtpreise passt so gar nicht zur Entwicklung bei den Preisen für Marktfrüchte, die derzeit keine vollkostendeckende Produktion ermöglichen. Eine Besserung ist auch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Marktexperten erwarten für die nächsten zehn Jahre keine gravierenden Preiserhöhungen bei den wichtigsten Ackerbaukulturen.

Dass Pachtpreise und Erzeugerpreise auseinanderdriften, hat einen anderen Grund: Die Landwirte pachten Ackerland heute nicht mehr vorwiegend zum Anbau von einfachen Marktfrüchten, sondern benötigen die Fläche als Grundlage für andere Betriebszweige, beispielsweise für die tierische Veredelung, die Erzeugung von Biogas oder den Anbau und die Verarbeitung von Sonderkulturen. Betriebe mit eigener Veredelung können in diesen Betriebszweigen meistens nur mit zusätzlichen Flächen wachsen und kalkulieren ihren maximalen Pachtpreis in der Zusammenschau der gesamten Wertschöpfungskette im Betrieb. Das heißt, es fließen auch erwartete Gewinne aus den nachgelagerten Betriebszweigen mit in die Pachtangebote ein.

Auch die an die Fläche gebundenen Direktzahlungen werden zwangsläufig in die Pachtpreiskalkulation eingerechnet. Denn im Wettbewerb um die Fläche wird jede damit mögliche Einnahme in die Waagschale geworfen. Das ist besonders ärgerlich, weil die Fördergelder damit zum Großteil an die Verpächter durchgereicht werden. Voll einkommenswirksam sind die Direktzahlungen nur auf den Eigentumsflächen. Da rund 45 Prozent der bayerischen Agrarfläche aus Pachtland besteht, erreicht fast die Hälfte der Direktzahlungen nicht ihr eigentliches Ziel.

Diese Streuverluste ließen sich von der Agrarpolitik leicht verringern, wenn man die Direktzahlungen für die ersten 30 Hektar eines Betriebes noch deutlicher als bisher anheben würde. Die Konzentration der Direktzahlungen auf die Eigentumsflächen stärkt vor allem die kleinen und mittleren Betriebe und sollte bei der nächsten GAP-Reform ganz oben auf der Agenda stehen.

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