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Afrikanische Schweinepest

Wildschweinjagd: MV kommt an bayerische Abschusszahlen heran

Wildschwein Jagd
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
14.09.2018

Im Jagdjahr 2017/18 hat die Jägerschaft in Mecklenburg-Vorpommern 86.000 Wildschweine zur Strecke gebracht.

Obwohl Mecklenburg-Vorpommern nur ein Drittel der Fläche Bayerns aufweist, haben die Jäger dort im Jagdjahr 2017/2018 86.000 Tiere zur Strecke gebracht. Bayerns Jäger kommen auf 95.000. Das war zwar immer noch eine Rekordstrecke, im Vergleich zu ihren norddeutschen Kollegen wirkt die Zahl allerdings eher bescheiden.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus führt die Zahlen auf die Politik im Land zurück: „Unser Entschluss, eine Arbeitsgruppe ASP-Prävention unter Leitung des Staatssekretärs ins Leben zu rufen und ab Dezember 2017 ein Schwarzwildprogramm zur ASP-Prävention aufzulegen, um den überproportionalen Wildschweinbestand im Land massiv zu reduzieren, war absolut richtig", sagte der Minister. Jetzt gelte es für Jäger, die Reduktion der Bestände fortzusetzen.

Leserzuschrift von Lutz Wudtke

95.000 Wildschweine abgeschossen klingt zunächst einmal hervorragend. Doch diese Zahl wird schnell relativiert. Nicht die Treffsicherheit der Jäger ist höher geworden, sondern die Vermehrungsrate der Wildschweine. Dies führt letztendlich zu einer höheren Abschusszahl, weil es die Tiere regelrecht aus den Wäldern drängt. Um Wildschweine zielorientiert jagen zu können, muss eine organisierte Struktur her. Revierübergreifend klingt gut - ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein, da Wildschweinrotten oftmals Gebiete von über 25 qkm bedienen.  Zudem überschneiden sich Rotten in ihren Revieren zunehmend.

Die Reproduktionsrate ist so hoch, dass man um in eine tatsächliche Kontrolle der Art eingreifen zu können mindestenst 25 % der Art schießen müsste. In Bayern wären das dann schätzungsweise 250.000.pro Jahr  (man kann davon ausgehen, dass ca. 1 Mio Tiere in bayrischen Wäldern hausen). Dann wäre eine Stagnation in der Reproduktion zu erwarten. Eine Reduzierung der Art wäre erst bei 33% Abschuss zu erwarten. Wenn keine Einwanderung von außen zu erwarten wäre. Die aber definitiv erfolgt.

Die Lösung sind keine Nachtsichtgeräte, sondern eine Markung der Rotten mit modernen GPS Trackern., einer staatlichen Registrierungs- und Beobachtungsstelle. Die Bejagung müsste und kann dann tatsächlich nur in Saufängen erfolgen. Jede Einzeltierbejagung bei der derzeitigen Konzentration führt eher zu einer Zunahme der Population, da die Natur sich sehr schnell reguliert und die Reproduktionsrate erhöht. Eine Zielprämie per abgeschossene Sau ist völliger Unfug. Genau das führt dazu, dass jedes Tier wegschossen wird, was vor die Flinte läuft. Wildschweine haben aber strenge und soziale Rottenstrukturen. Schießt man Mutterbachen weg - werden die Ammen neue Rotten gründen. Bei der Saufängenmethode - kann man gezielt ganze Rotten abschöpfen. Für den Endverbraucher klingt dies meist brutal - aber. Schlimme Zeiten erfordern harte Massnahmen.

Auch der biologische Weg über durch fruchtbarkeitsstörende Mittel gibt es - nur ist es ein ewiges Hinundher mit den Zulassungen dieser Methode. Wenn's um Diäten geht haben Politiker schnelleren Handlungswillen.

Die Unwissenheit in der Staatsregierung also damit auch im Ministerium ist haarsträubend. Der Populismus kennt keine Grenzen - obwohl es sich inzwischen um Millionenschäden handelt

 

Dipl.vet.Ing. Lutz Wudtke, 94424 Arnstorf

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