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Wahlkampf

Wie der Wind sich dreht

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
08.09.2016

München - Jetzt zeigt sich wieder, wie kompromissoffen Parteien im Wahlkampf werden, wenn sie merken, dass der Wind sich dreht.

Simon Michel-Berger

Wer kann sich schon der Faszination moderner Landtechnik entziehen? Ein schöner neuer Schlepper auf dem Feld oder ein Mähdrescher bei der Ernte – das ist ein ganz eigener Zauber. Auch für Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der unlängst bei einem Pressetermin in Berlin von den möglichen Segnungen der Agrartechnik sprach. Zwar ging es dabei vor allem um Agrarsoftware, aber immerhin. Alles wird besser mit neuer Technologie, so der Tenor Gabriels.

Auch für große neue Ställe fand er überraschend positive Worte: Wenn ein Bauer einen neuen Stall für 1000 Schweine baue und alle Auflagen erfülle, könne man nicht von Massentierhaltung sprechen. Lauwarm klang dann auch die Unterstützung des Parteivorsitzenden für seine Umweltministerin Barbara Hendricks, die bekanntlich den Kommunen mehr Mitsprache – sprich Verbotsmöglichkeiten – für Stallbauten im Außenbereich einräumen will.

Wieder einmal zeigt sich dabei, wie kompromissoffen Parteien im Wahlkampf werden, wenn sie merken, dass der Wind sich dreht. Insofern dürfte es interessant werden, inwieweit auch andere Parteien ihre Kommunikation überdenken. Die Grünen sind in Mecklenburg-Vorpommern gerade klar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, trotz Wahlkampf gegen die sogenannte Agrarindustrie. Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne), der Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl werden will, übt sich in Mäßigung. Er findet „Massentierhaltung“ als Begriff zu unkonkret und will ihn selber nicht verwenden. Seine eigene Partei sei oft „verkopft“.

Es wird noch spannend werden, in welchen Wind die Fähnlein der Parteien im Bundestagswahlkampf noch eindrehen. An den Bauern liegt es, durch ihre Öffentlichkeitsarbeit dazu beizutragen, dass ein für sie günstiger Wind aufkommt.

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