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Wolfsmanagement

Wolf - CSU will Almen und Alpen schützen

Wolf
Max Riesberg
am
18.04.2018

Jahrelang gab es Streit, jetzt soll ein Aktionsplan helfen: Das Kabinett hat Eckpunkte für den Umgang mit dem Wolf beschlossen.

Das Kabinett hat diese Woche Eckpunkte für das weitere Vorgehen im Umgang mit dem Wolf vorgelegt. Für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) liegt damit eine Lösung für Fragen auf dem Tisch, „die uns über ein Jahr geärgert haben“. Er hofft auf „ein Stück Versöhnung im ländlichen Raum“. Für die FW gehen die Pläne nicht weit genug, die SPD warnt die Staatsregierung jetzt schon davor, europäisches Naturschutzrecht zu brechen.

Erbittert standen sich bis zuletzt Wolfsbefürworter wie Naturschützer (und die inzwischen von Söder geschasste Umweltministerin Ulrike Scharf) und Wolfsgegner wie Almbauern (und der mit der Wahl im Herbst aus dem Landtag ausscheidende frühere Landwirtschaftsminister Helmut Brunner) gegenüber. Überraschend schnell haben nun der neue Umweltminister Marcel Huber und die neue Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (alle CSU) die Eckpunkte vorgelegt.

Kommission eingesetzt

Eine Expertenkommission mit Vertretern aus der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung soll prüfen, in welchen Gebieten Präventionsmaßnahmen gegen den Wolf überhaupt möglich sind, für die Umsetzung ist ein eigenes Förderprogramm vorgesehen. Genannt werden Herdenschutzzäune und -hunde. Mögliche Schäden durch Wölfe sollen auch künftig vollumfänglich durch den Fonds große Beutegreifer ausgeglichen werden.

Wo Prävention nicht möglich ist, ist künftig die Entnahme, also in der Regel der Abschuss des Wolfs, trotz Artenschutz erlaubt, genauso soll es bei verhaltensauffälligen Wölfen sein oder Tieren, die beispielsweise eine bestehende „Schafschutzzone“ überwinden. Zuständig für die Entscheidung zur Entnahme ist dann die Naturschutzbehörde, Details sollen noch erarbeitet werden.

Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche begrenzen

Für Umweltminister Marcel Huber ist das Thema ein Dilemma: Zwar sei der Artenschutz des Wolfs wichtig, andere sehen darin eine Bedrohung von Mensch und Tier. Im Kabinettsbericht heißt es: „Die Bayerische Staatsregierung bekennt sich zu einer flächendeckenden und dauerhaften Weidetierhaltung in Bayern.“

Deshalb soll durch den Aktionsplan „die Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche begrenzt werden. Die Weidetierhaltung müsse auch bei Wolfsanwesenheit ohne zumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben. „Der Schutz der Menschen und der Tiere, besonders der Weidetiere ist uns wichtig“, so Huber.

Weidehaltung ist hohes Schutzgut

Huber und Kaniber haben da vor allem die Almwirtschaft im Auge: Gerade in Bayern gebe es viele Ökosysteme, die auf Weidehaltung angewiesen sind, nur dort gebe es seltene Arten wie Orchideen und bestimmte Schmetterlinge. „Die Weidehaltung ist ein hohes Schutzgut, das wir erhalten wollen“, betonte Huber.

Gerade in den Alpen dürfte die Prävention schwer möglich sein, hier könnten nun „Herdenschutzzonen“ entstehen, in denen der Wolf geschossen werden darf. Dabei geht es laut Huber nicht darum, „alle Weiden zu sichern, wo der Wolf zufällig durchmarschiert“. Es geht darum, sich zu rüsten, wenn sich Rudel bilden und die Weidetierhaltung nicht mehr möglich ist.

Für Söder sollte der Wolf weder Anlass zur Hysterie noch für Romantik geben. „Wir wollen jetzt auch nicht überall Zäune bauen“, sagte er. Es gelte jetzt, eine Lösung zu finden, die „das Thema in eine vernünftige Bahn bringt“.

Almbauern erleichtert

Die Almbauern reagieren erleichtert: „Wir sind froh, dass es in Sachen Wolf endlich in die richtige Richtung geht und sich die beiden Ministerien gemeinsam zur Beurteilung der Regionen aufstellen“, sagte der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair, zum Wochenblatt.

Die Almflächen müssten als Weidesschutzzonen ganz vorne anstehen. Für die Almbauern ist der gesamte Alpenraum aufgrund dichter Besiedelung, Tourismus und Freiweide kein geeignetes Wolfsgebiet. Für Mair passen außerdem die massiven Schutzmaßnahmen vor dem Wolf nicht zum eigentlichen Gedanken der FFH-Gebiete. Durch Zäune würden unüberwindbare Barrieren zwischen Wald und Weide auch für anderes Wild, ebenso wie für Wanderer und Touristen künstlich erzeugt.

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