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Grüne im Landtag

Wolf: Schnell ein Herdenschutzprogramm auflegen

Schafherde
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Alexandra Königer, Wochenblatt
am
21.06.2018

Die Landtags-Grünen scheiterten vergangene Woche mit ihrem Vorstoß, das Kulap ab 2019 um Maßnahmen zum präventiven Herdenschutz zu erweitern.

Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen.

Der stellvertretende Agrarausschussvorsitzende Ulli Leiner (Grüne) berichtete von einem Landwirt, der im Allgäu eine Alpe neu bauen will und Herdenschutz für seine Schafe, Ziegen und Rinder braucht, vor allem in der Nacht, wo die meisten Wolfsangriffe stattfinden. Die Anfragen des Landwirts nach Fördermitteln für Pferche liefen ins Leere. „Das Thema regt mich auf, wir müssen handeln“, sagte Leiner.

Zwar hat die Staatsregierung kürzlich einen Aktionsplan Wolf beschlossen. Dort ist auch eine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen vorgesehen, diese muss aber vor Inkrafttreten die EU-Kommission genehmigen, wie ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte. Daher könne kein Startzeitpunkt genannt werden. Aber einen Präventionsfonds gebe es bereits, der allerdings nur bei „konkreten Bedrohungssituationen von Weidetieren durch einen Wolf“ in Betracht käme und sich bisher in Pilotprojekten hauptsächlich mit dem Einsatz von mobilen Elektrozäunen und der Beratung zum Thema Herdenschutzhunde befasst.

Das reicht den Grünen nicht. Sie sind überzeugt von ihrer Idee, das Kulap zu erweitern. Nicht so die anderen Fraktionen: „Ich habe ein Problem, das im Kulap zu verorten“, sagte Eric Beißwenger (CSU). Über das Kulap könne nur der Mehraufwand für den Zaunbau ausgeglichen werden, aber nicht der Gesamtaufwand. Die Freien Wähler (FW) wollen erst gar nicht den Eindruck erwecken, man habe „das Problem akzeptiert“, stattdessen müsse man die Möglichkeit schaffen, den Wolf abzuschießen, wie Leopold Herz (FW) sagte. Die SPD fordert ein eigenes Herdenschutzprogramm, aber nicht im Kulap – und eine Anpassung der Hundeverordnung, wie Florian von Brunn (SPD) erklärte.

Wie Regina Eberhart vom Landwirtschaftsministerium im Agrarausschuss betonte, ist ein weiterer Haken an der Förderung über das Kulap, dass dort Gelder nur an Landwirte, nicht aber an Hobbytierhalter gezahlt werden könnte. In dem geplanten Förderprogramm zum Herdenschutz gehe es auch um die nächtliche Aufstallung und mobile Weideunterstände. Den Einsatz von Herdenschutzhunden sieht sie kritisch: „Der Hund kann auch gefährlich sein, wo andere Menschen oder Hunde unterwegs sind“, sagte sie.

Experten der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung werden künftig gemeinsam entscheiden, in welchen Herdenschutzzonen Präventionsmaßnahmen nicht möglich sind. „In diesen Fällen ist zukünftig eine Entnahme des Wolfs trotz Artenschutz erlaubt“, heißt es im „Aktionsplan Wolf“, den die Staatsregierung im April beschlossen hat.

Im kommenden Jahr soll laut Eberhart zudem eine Neubewertung des Wolf-Schutzstatus auf EU-Ebene erfolgen, und „der könnte aufgrund der dynamischen Entwicklung“ der Population in Norddeutschland „anders aussehen“.

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