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Verbandsvertreter im Visier

Was wollen die Tierrechtler?

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
29.09.2016

München . Wenn man hört, dass ein Amtsgericht in Sachsen-Anhalt drei überführte Tierrechtsaktivisten vom Hausfriedensbruch freigesprochen hat, packt einen die Wut.

Simon Michel-Berger

Die drei waren vor einigen Jahren in einen Stall eingedrungen, hatten Filmaufnahmen gemacht und diese veröffentlicht. Das Amtsgericht sah die Aktivisten in einem „rechtfertigenden Notstand“ handeln. Die festgestellten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wögen schwerer als der Hausfriedensbruch.

Um ganz klar zu sagen: Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sind nicht hinnehmbar. Wo es Probleme gibt, müssen sie schnellstens abgestellt werden. Wenn immer wieder Probleme auftreten, muss der Staat auch schärfere Sanktionen ergreifen.

Aber dafür gibt es staatliche und privatwirtschaftliche Kontrollen. Wer schützt die Landwirte und ihre Familien? Schlimm genug, wenn jemand unbefugt im Stall war. Was ist mit der Angst in der Familie, die danach kommt? Dass es nicht beim Filmen bleibt, sondern zu Gewalt kommt. Was ist, wenn kleine Kinder deshalb in Angst einschlafen müssen?

Die selbstherrlichen Aktivisten würden jetzt wohl sagen, dass es ihnen um die große Sache geht. Das ist aber nicht die Verbesserung von Haltungsbedingungen. Organisationen wie Animal Rights Watch fordern, dass die ganze Nutztierhaltung eingestellt wird. Ob öko oder konventionell, jeder Tierhalter ist ihr Feind.

Und die bayerischen Bauern? Dürfen sich trotz allem davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sie müssen weiter ihre Arbeit machen und sich um ihre Tiere kümmern. Denn wenn sie sich provozieren lassen und ihre Ställe mit Alarmanlagen und Kameras sichern, haben die Aktivisten den ersten Sieg errungen. Sie könnten dann sagen: Schaut her, die haben was zu verbergen. Der Dialog mit der moderaten Öffentlichkeit bleibt wichtiger denn je.

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