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Mittelverteilung

Das Wunder der Insekten

Schmetterlinge
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
11.07.2019

Über den Insektenschutz fließen Gelder vom Landwirtschafts- zum Umweltministerium hin ab.

Insekten sind, sofern sie einen nicht gerade stechen oder ihre Larven sich durch wertvolle Baumbestände fressen, etwas Wunderbares. Das hat auch die Bundespolitik erkannt und plant, sich in nächster Zeit mit einem Paukenschlag für den Schutz dieser Tiere einzusetzen.

Federführend ist dabei das Bundesumweltministerium (BMU). Wie die aktuelle Ressortabstimmung zwischen dem BMU und dem Landwirtschaftsministerium (BMEL) zeigt, haben Insekten noch einen Nutzen: Mit ihnen lassen sich ganz wunderbar Teile von Geldern, die eigentlich für andere Leute vorgesehen sind (z. B. Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete), aus dem Einflussbereich von einem Ministerium in den eines anderen transferieren. Insektenschutz steht schließlich im Koalitionsvertrag.

Wenn dafür Mittel innerhalb der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ in Bereiche überführt werden, in denen das BMEL weniger und die dem BMU nachgelagerten Bundesbehörden mehr zu sagen haben, dann ist das halt so.

Außerdem lässt sich bei einer neuen Priorität für den Artenschutz trefflich anderen Leuten hineinreden, was sie bislang alles falsch gemacht haben. Wer schon immer artenreiches Grünland als neues, geschütztes Biotop im Bundesnaturschutzgesetz haben wollte, ist seinem Ziel jetzt jedenfalls sehr nahe.

Dabei könnte man fragen, warum man den Insektenschutz so vom bisherigen Schutz der Artenvielfalt unterscheiden muss. Ein Blühstreifen ist gut für Pflanzen und für Tiere, inklusive Insekten. Dass gezielte Maßnahmen zum Schutz von, sagen wir, Schwebfliegen wertvoller sein sollen als Maßnahmen für die Artenvielfalt allgemein, leuchtet mir nicht ein.

Es bleibt zu hoffen, dass das BMEL wenigstens noch ein paar der Ideen aus dem BMU einfangen kann. Viel Hoffnung habe ich, nach Wolf und Düngeverordnung, aber nicht.

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