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Grüne Woche

Zeit aufzuwachen!

Grüne Woche Politiker
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
25.01.2018

Viele Länder präsentieren stolz ihre Landwirtschaft. Nur die Deutschen erscheinen äußerst reserviert. Haben sie keinen Spaß mehr an ihrer Landwirtschaft?

Ich bin gerne auf der Grünen Woche in Berlin. Man kann dort innerhalb weniger Tage einen guten Eindruck gewinnen, wie es um die Landwirtschaft in Deutschland und Europa bestellt ist. Aber dieses Jahr kam ich etwas frustriert zurück. Viele Länder und Regionen zeigen sich und ihre Landwirtschaft voller Stolz. Das diesjährige Partnerland Bulgarien gehört dazu und Bayern sowieso. Aber bei den Ausstellern, die für die bundesdeutsche oder gar die europäische Landwirtschaft stehen? Fehlanzeige. Brav werden Fachdiskussionen geführt, Exponate vorgestellt und ab und zu Pröbchen serviert. Von Freude an der Landwirtschaft ist wenig zu spüren.

Natürlich hat auch die moderne Landwirtschaft jede Menge Probleme. Aber man darf doch nicht vergessen, dass sie auch Spaß macht und schön ist. Ja, die Umsetzung der Düngeverordnung ist eine offene Baustelle. Ja, die Diskussion um die neue Gemeinsame Agrarpolitik wird schwierig. Ja, die Erzeugerpreise zeigen vielerorts nach unten. Aber muss man deshalb in Sack und Asche gehen?

Die Landwirtschaft ist es gewohnt, agrarpolitische Fachgespräche zu führen und durch Argumente zu überzeugen. Das ist gut, aber wenn ich mir ansehe, was im Agrarbereich bei den Verhandlungen über eine neue Regierung herausgekommen ist, dann hat das zu nichts geführt, was irgendwie begeistert. Eine frisch aufgewärmte und nachgewürzte Jamaika-Pfanne schmeckt auch nicht besser, wenn sie von schwarz-rot serviert wird. Beim Thema Europa bietet die GroKo eine echte Vision, warum nicht auch bei der Landwirtschaft?

Hoffnungsträger bleiben die Landfrauen und die Jugend. Ihre Botschaften von der Grünen Woche sind nicht neu aber gerade deshalb so wichtig. Erstens: Die Menschlichkeit muss in den Mittelpunkt. Zweitens: Anecken – und ab und zu sogar Scheitern – gehört bei erfolgreicher Politik dazu. Mehr von diesem Geist, bitte!

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