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Zwischen Ärgern und Hoffen

Regierung Große Koalition
Wenn man die Bundesrepublik Deutschland in den Blick nimmt, dann ist es dringend notwendig, dass der Staat wieder regiert und nicht nur verwaltet wird. © imago/Emmanuele Contini
Sepp Kellerer, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt ,
am
08.02.2018

Die Koalitionsverhandlungen sind abgeschlossen, das nährt die Hoffnungen, dass demnächst dann doch in Deutschland eine neue Bundesregierung zustande kommt.

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer, Chefredakteur © Archiv

In trockenen Tüchern ist das aber damit noch nicht. Wenn man die Bundesrepublik Deutschland in den Blick nimmt, dann ist es dringend notwendig, dass der Staat wieder regiert und nicht nur verwaltet wird.

Wenn man die Landwirtschaft in Deutschland betrachtet, dann darf man durchaus zweifeln, ob die Richtung, welche die künftige Regierung einschlägt, zumindest ein Durschnaufen erlaubt. Zu wenig konkret sind die bis jetzt vereinbarten Ziele, zu viel Interpretationsspielraum lassen die bisherigen Formulierungen. Einen Schritt weiter ist man da in Österreich. Dort wurde zwar später gewählt, aber es wird schon wieder regiert. Jubelschreie aus der österreichischen Bauernschaft sind trotzdem nicht zu vernehmen.

Dass das neue Regierungsprogramm zum Bejubeln ist, das erwarten die Bäuerinnen und Bauern auch gar nicht. Es wäre ja schon ausreichend, wenn einem beim Blick darauf nicht gleich die Galle hochkommt. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, daran darf man durchaus zweifeln. Da muss man sich nur anschauen, was die letzte Bundesregierung alles beschlossen hat.

Wenn ich im Gespräch mit den Praktikern die Emotionen hochkochen lassen möchte, dann reicht dazu im Moment ein einziges Wort. Wenn der Begriff Düngeverordnung fällt, dann gehen spätestens bei der Silbe „ver“ die Augenbrauen hoch. Klar musste folgender Sachverhalt sein: Deutschland wurde wegen der nach Brüssel gemeldeten Nitratwerte im Wasser vor den Europäischen Gerichtshof gezerrt. Dass die Konsequenz eine Reduzierung der Stickstoffeinträge auf die Flächen sein würde, das war vorherzusehen. Aber dass es dazu ein derartiges Bürokratiemonster braucht, das haut dann doch ganz gewaltig rein und ist nicht nachzuvollziehen.

Zu allem Überfluss wird die Landwirtschaft auch bei konsequentester Umsetzung der Düngeverordnung nicht von der Anklagebank runterkommen. Immer wieder ist von Wasserversorgern zu hören, das Wasser, das man fördere, sei „20 oder 30 Jahre“ alt. Das würde also bedeuten, dass Verbesserungen, die die Landwirte heute vornehmen, erst in 20 oder 30 Jahren dort ankommen, wo sie gemessen werden. Obwohl: Vergleicht man die Düngeempfehlungen und Erträge von vor 20 Jahren mit denen der letzten Jahre, dann besteht vielleicht Hoffnung.

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