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Grüne Woche

Zwischen Hoffen und Bangen

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
26.01.2017

München - Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, aber die Internationale Grüne Woche in Berlin hat dieses Mal nicht ganz das Medienecho gefunden, das sie sonst erzielt. Sie stand ganz einfach im Schatten der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Sepp Kellerer

Das vielleicht Gute daran ist, dass der unberechenbare Trump so viele Schlagzeilen produziert, dass da kein Platz war für einen vermeintlichen „Agrarskandal“ wie wir ihn aus den letzten Jahren schon fast gewohnt waren. Das Schlechte daran ist, dass die Grüne Woche in den Medien sehr selektiv wahrgenommen wurde. Bloße Ankündigungen zum Thema Tierwohl fanden zwar ihren Niederschlag, aber für echte Fakten und Argumente war offensichtlich kein Platz mehr.

Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll, aber das Bild, das von der Grünen Woche rüberkommt, ist doch sehr verzerrt. Das Erfreuliche daran ist, dass man sich bei einem Gang durch die Ausstellungshallen wähnt wie in einem Schlaraffenland. Die Ernährungswirtschaft aus der ganzen Welt stellt eine Vielfalt an Genüssen zur Schau und zur Kostprobe, dass wirklich keine Wünsche offen bleiben. Man ist fast versucht, von einer Welt zu sprechen, wo Milch und Honig fließen. Das Ärgerliche daran ist, dass – zumindest hierzulande – diejenigen, die jahraus, jahrein die Scholle und die Tiere pflegen und so die Grundlagen schaffen für die unzähligen Genüsse eher nur als Randfiguren wahrgenommen werden, ja zum Teil sogar am Pranger stehen.

Ich weiß nicht, ob ich frohlocken oder mich fürchten soll, wenn ich auf die Programme und die Labels schaue, die allenthalben einen Mehrwert bieten sollen. Ein gewisses Frohlocken ist angebracht angesichts der Tatsache, dass ein Teil der Verbraucher, vielleicht auch alle Verbraucher zu einem gewissen Teil, bestimmte Angebote über die gesamte Kette vom Landwirt bis zur Ladentheke wertschätzen und so auch für die Bauern Wertschöpfung ermöglichen. Zu befürchten ist aber, dass solche Sonderprogramme sehr rasch zum Standard erhoben werden und damit natürlich die zusätzliche Wertschöpfung sehr schnell wieder vom Tisch gewischt wird.

Ich bin mir ohne Zweifel sicher, dass wir in Bayern auf unsere Heimat stolz sein dürfen. Auf der Grünen Woche kann man beim Durchschlendern der Hallen der Bundesländer Tempo und Richtung meist ganz gut bestimmen. Außer in der Bayernhalle, da wird man schlicht durchgeschoben.

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