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Lehrfahrt

Von Agrarhandel bis Weinoase

Besuch
Sabine Dähn Siegel
am
06.08.2018

Beispielhafte Betriebe und Gemeinschaften stellen sich vor: Land- und forstwirtschaftliche Infofahrt mit dem Würzburger Landrat Eberhard Nuß.

Pferdehaltung

Hut ab vor dem, was ihr leistet!“ Dieses Resümee zog Landrat Eberhard Nuß am Ende der diesjährigen land- und forstwirtschaftlichen Informationsfahrt, bei der der Bayerische Bauernverband (BBV) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg Regie führen. Entstanden war die Idee 2008, beim Antrittsbesuch vom „Landrat im ersten Lehrjahr“ beim BBV. Die inzwischen bereits 10. (Bus-)Tour dieser Art – weiterhin so interessant wie zeitintensiv – umfasste heuer fünf Stationen im südlichen Landkreis Würzburg.

Erster Halt für den von AELF-Chef Andreas Maier und Kreisobmann Michael Stolzenberger angeführten Trupp (Mitarbeiter von AELF, Landratsamt, der Regierung von Unterfranken, BBV, Bürgermeister, Presse) war bei dem mittelständischen Agrarhandelsunternehmen Busch. Inhaber Peter Busch informierte über Geschichte des „Anfang der 1930er-Jahre in einer Würzburger Hinterhofgarage gegründeten“, 1977 in den  Reichenberger Ortsteil Lindflur ausgesiedelten Betriebs, der sich traditionell mit Handel und Vermarktung von landwirtschaftlichen Feldfrüchten sowie Vertrieb von Betriebsmitteln für die Landwirtschaft beschäftigt.

Seit 1984 ist „an diesem optimalen Standort“ auch „Busch Saatgetreide“ tätig, schwerpunktmäßig in der Produktion und Aufbereitung von Saatgut. Als Hybridroggenreinigung und -aufbereitung dazukamen, habe man in spezielle Technik investieren müssen, erläuterte Busch. Das habe sich als gute Entscheidung erwiesen, denn dieses „Hightechspielzeug“ lese nicht nur Mutterkorn aus Hybridroggen, sondern filtere beispielsweise auch Glassplitter aus Reis oder Steine aus Sonnenblumen. Dank seiner „top Technik und Mitarbeiter“ bereite das Unternehmen zudem das Saatgut sogenannter Körnerdrogen wie Fenchel, Anis und Kümmel auf. Inklusive zehnprozentigem Anteil von Ökosaatgut „liegt unser Produktionsvolumen bei 10 000 Tonnen jährlich“. Derzeit versucht Busch seine Lagerkapazitäten zu erweitern: „Der Bauantrag läuft.“

Pferdezucht und -haltung

Weiter führte die Infofahrt auf Gut Moos im gleichnamigen Geroldshäuser Ortsteil, wo sich (fast) alles um Pferde, -zucht und -haltung dreht. Betriebsleiter Burkhard Steinbach – genannt „Burgel“, Basketballfans bekannt aus seiner Mannschaftszeit mit Dirk Nowitzki, mit dem er 1998 den Aufstieg in die erste Basketball-Bundesliga geschafft hatte – führte über den verkehrsgünstig zwischen Tauberbischofsheim, Ochsenfurt und Würzburg gelegenen modernen Reiterhof in historischem Ambiente, umgeben von weitläufigen Koppeln und Dressurplatz.

1985, 50 Jahre nach dem Kauf des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Anwesens durch die Großeltern, hatte sein Bruder Karl-Friedrich Pferdehaltung und Zucht quasi im Kleinformat wieder aufleben lassen (Feldscheune war zur Reithallte, Schweine- zum Pferdestall umgebaut worden).

Ab 1993 agierten die Brüder (beide Abschluss Technikerschule) zu zweit, weitere Umbauten folgten. 2016 konnte dann ein moderner Neubau-komplex, bestehend aus Reithalle (80 mal 25 m), Reiterstübchen, Stall mit großräumigen Paddockboxen und Strohscheune, eingeweiht werden. Laut Steinbach stehen derzeit 70 Pferde auf dem Betrieb, der „Vollpension“ und professionelle Betreuung der Tiere ebenso bietet wie Ausbildung von Pferd und Reiter. Seine Betriebsphilosophie sei stark kundenorientiert, so der 48-jährige Hüne: „Dem Pferd muss es richtig gut gehen, dann geht es auch dem Kunden gut.“ Zum Gut, auf dem er mit Ehefrau Petra – die promovierte Chemikerin ist, zudem Ortsbäuerin –, Bruder, Lehrling und Teilzeitkräften arbeitet, gehören 40 ha Land, davon je 20 ha Grünland und 20 ha für den Anbau von Getreide, Raps und Mais. 

Ausgezeichnete Waldbewirtschafter

In der Nähe von Röttingen informierten Mitglieder der Hubgemeinschaft Schönstheim über ihre Art der Waldpflege und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Die von der Forstverwaltung in Sachen Waldbewirtschaftung beratenen Privatleute legen großen Wert auf eine breite Palette heimischer Laubbaumarten. Dies minimiere das Klimarisiko und diene dem Naturschutz, erläuterte Ludwig Angerer, stellvertretender Leiter des AELF Würzburg. Für diese Leistungen war die Hubgemeinschaft im 550. Jahr ihres Bestehens (!) Ende 2017 von Forstminister Helmut Brunner mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet worden.

Beeindruckt zeigte sich der Landrat auf den folgenden Stationen seiner Tour auch von der Zielsetzung und Investitionsbereitschaft weiterer Betriebe. Der Gaukönigshofener Landwirt Paul Öchsner hatte vor drei Jahren seine Viehhaltung komplett umgestellt: von Kuhhaltung mit Nachzucht an alter Hofstelle auf Bullenmast mit kompletter Teilaussiedlung. Im ersten Bauabschnitt waren 270 Plätze für Mast ab Fresser eingerichtet worden, im zweiten will der Landwirt auf dann 560 Plätze erhöhen. Betriebsvorstellung folgt.

Als investitionsbereite landwirtschaftliche Unternehmer präsentierten sich am Ende der Infofahrt Verena Huppmann-Baumann und ihr Mann Andreas Baumann, die die Weinoase Huppmann betreiben. 2014 hatten sie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und bewirtschaften seither den 1948 als ersten Aussiedlerhof gegründeten Betrieb in Würzburg-Heidingsfeld.

Auf 41 ha landwirtschaftlicher Fläche bauen sie Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln an, ihre Rebfläche (in Würzburg, Randersacker und Bullenheim) vergrößerte sich innerhalb von 13 Jahren von 6 auf 9,5 ha. Zudem baute das junge Paar das alte Wohnhaus zu Vinothek und Häckerwirtschaft um, über der eine kleine Ferienwohnung eingerichtet wurde. Sowohl Landrat Nuß als auch AELF-Chef Andreas Maier lobten die angeschauten Beispiele für unternehmerischen Mut, mit dem auch in der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden.

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