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Versammlung

Aiwanger über Volksbegehren: Großer Mist

Hollfelder-Bauerntag-(shf)_LF
Stephan Herbert Fuchs
am
13.05.2019

Hubert Aiwanger übt beim 1. Hollfelder Bauerntag deftige Kritik an „grünen Ideologen“.

Hollfeld/Lks. Bayreuth - Für Hollfeld war es eine echte Premiere: Zur offiziellen Standorteröffnung der neuen Claas-Niederlassung gab es hier erstmals einen Bauerntag. Als prominenten Gast konnte der BBV den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewinnen. In einer launigen Rede spannte er einen weiten Bogen über eine Vielzahl landwirtschaftlich relevanter Themen und zeigte sich dabei als engagierter Fürsprecher der Bauern.

Das Volksbegehren zum Artenschutz bezeichnete Aiwanger dabei offen als „großen Mist“ und sicherte den Bauern zu, aus der jetzigen Situation das Beste zu machen. Er sprach sich dafür aus, landwirtschaftlich genutzte Flächen im Gegenzug vor unkontrolliertem Konsumverhalten zu schützen. So hätten beispielsweise Hunde auf Grünland nichts verloren. Es könne ja nicht sein, dass Hunde dort Gassi gehen könnten, wo der Bauer nicht mehr reinfahren darf.
„Erhalten wir die Landwirtschaft, damit wir auch morgen noch gesunde Lebensmittel bekommen“, lautete Aiwangers Aufforderung. „Grünen Ideologen“ schrieb er ins Stammbuch, dass deren Tagträume nicht auf den Rücken der Bauern ausgetragen werden dürfen. Und wenn es schon Nutzungseinschränkungen gebe, dann müssten die Bauern dafür auch entschädigt werden. Um künftig sach- und praxisfremden Entscheidungen vorzubeugen, will der Minister wieder Alltagskompetenzen an die Schulen bringen. „Wir müssen aufpassen, dass der Unsinn nicht immer noch größer wird“, sagte er.
Zuvor hatte Hausherr Georg Appel, Geschäftsführer der Claas Nordostbayern, sein Unternehmen vorgestellt. Die Claas Nordostbayern GmbH ist demnach an acht Standorten in Oberfranken und der Oberpfalz vertreten und beschäftigt 118 Mitarbeiter, 23 davon sind Auszubildende. Größter Standort ist Hollfeld mit einer Fläche von rund 10 000 m² und 24 Mitarbeitern. In dem neuen dreistöckigen Lager seien Ersatzteile im Wert von 0,5 Mio. € permanent verfügbar. Bereits Ende Mai möchte Claas einen weiteren Standort in Hof eröffnen.
Begeistert über den großen Zuspruch, den der Hollfelder Bauerntag erfahren hatte, zeigte sich BBV-Kreisobmann Karl Lappe. „Wenn Technik und Maschinen dabei sind, dann stimmt auch die Besucherzahl“, sagte er. Als größte Baustellen, die derzeit zu bislang nie gekannter Resignation bei den Bauern führten, bezeichnete er neben dem Volksbegehren die Düngeverordnung und die gesamten Auflagen in der Tierhaltung. Aufgeben sei aber der falsche Weg: „Die Landwirtschaft ist der Ernährungsproduzent schlechthin, und das wollen wir auch bleiben“, rief Lappe seinen Berufskollegen zu.
Unter den Grußworten ragte eines ganz besonders heraus: das der bayerischen Milchkönigin Sonja Wagner, die aus dem nahen Wonsees im Landkreis Kulmbach kommt. Für sie, die auf einem Milchviehbetrieb groß geworden ist, war es einer der letzten offiziellen Auftritte im Amt.
Sonja Wagner zog eine überaus positive Bilanz ihrer zweijährigen Amtszeit mit vielen interessanten Begegnungen. Einfach sei der Verbraucherdialog nicht immer gewesen, sagte die Milchkönigin. Wichtig sei es ihr beispielsweise, den Menschen zu erklären, dass die Existenz von rund 400 verschiedenen Käsesorten nur „mit dem großen Know-how und dem Herzblut unserer Landwirte“ möglich sei.
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