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Rinderhaltung

Anbindehaltung in der Diskussion

Politische-Schlachtschüssel-BBV-LIF_LF
Stephan Stöckel
am
04.03.2019

Politische Schlachtschüssel des BBV-Kreisverbandes Lichtenfels

Oberlangheim/Lks. Lichtenfels Großbetriebe mit über 100 Kühen muss man im Landkreis Lichtenfels mit der Lupe suchen. Gerade einmal acht der 160 Höfe, auf denen Rinder gehalten werden, fallen in diese Kategorie. „54 Prozent der Betriebe haben sogar weniger als 20 Kühe in den Ställen“, hob Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein bei der politischen Schlachtschüssel im Gasthof Zum Löwen in Oberlangheim hervor. Für den Experten kommt das geplante Verbot der Anbindehaltung von Rindern, das eine rege Diskussion auslöste, einem massiven Eingriff in kleinbäuerliche Strukturen gleich.
Nach Ansicht von Kreisbäuerin Marion Warmuth werde sich das Problem von selbst erledigen, da die neuen Ställe nicht mehr auf Anbindehaltung ausgelegt seien. Zugleich stellte sie fest: „Betriebsleiter mittleren Alters können einen Umbau ihrer Gebäude finanziell nicht stemmen.“ Daher müsse man den Markt mit in die Pflicht nehmen. Kürzungen beim Milchgeld lehnt Warmuth ab.
Eine andere Perspektive brachte MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) ins Spiel. Er sprach sich für einen staatlichen Schutzschirm aus, damit Landwirte im mittleren Alter, die noch Schulden abzuzahlen hätten, nicht in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. „Eingriffe der Politik auf den Markt erachte ich als schwierig.“
Nach Ansicht des stellvertretenden Kreisobmanns Lothar Teuchgräber sollte es vonseiten der Politik eine Art Bestandsgarantie für bereits genehmigte Ställe geben. „Wenn das Gebäude in Ordnung ist und es den Kühen gut geht, dann sollte dort auch weiterhin die Anbindehaltung erlaubt sein“, erklärte er seinen Standpunkt. Für den Fall, dass der Staat diese Form der Tierhaltung ganz verbiete, befürchtet Teuchgräber, dass die Marktmacht der abnehmenden Hand immer mehr zunehmen werde.
Rot sahen die Landwirte bei den „roten Gebieten“. Das sind vom Wasserwirtschaftsamt festgelegte Areale mit besonders hohem Nitratgehalt. „Bauern, die in einem solchen Gebiet wirtschaften, werden mit Auflagen belegt, die Aufwand und Kosten in die Höhe treiben“, erläuterte Landwirtschaftsdirektor Harald Weber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Der Landkreis Lichtenfels zählt zu den trockeneren Gebieten Deutschlands. Rebelein erklärte: „Während in Südbayern der stärkere Niederschlag das Nitrat ausschwemmt, reichert es sich hier stärker an.“ Als kurios bezeichnete es Kreisobmann Michael Bienlein, dass im Itzgrund in weiß eingestuften Wasserschutzgebieten Tierhaltung betrieben werde, während in den roten Zonen eine solche nicht stattfinde.
Die Landwirte störten sich daran, dass sie die allein Schuldigen sein sollen. Landwirt Markus Schilling aus Obristfeld vermutet, dass auch die Industrie zur Nitratbelastung beitrage. „Wie kommt es, dass der Ort Michelau, in dem es keine Tierhaltung gibt, rot eingestuft ist?“, fragte er. Rebelein forderte, alle externen Einflüsse zu berücksichtigen.
Ob Anlagenverordnung oder Cross Compliance – angeblich wird im Landkreis Lichtenfels zu scharf kontrolliert. Damit von Rebelein konfrontiert, stellte Landrat Christian Meißner (CSU) klar: „Ich habe kein Problem damit, wenn in der CC-Statistik null Verstöße stehen. Bis Ende 2017 gab es keine, 2018 einen.“ Zudem versicherte er, alles zu tun, um die Angst vor möglichen Kontrollen abzubauen. Stephan Stöckel
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