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Öffentlichkeitsarbeit

Argumente statt Worthülsen

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
29.01.2018

BBV Schweinfurt lädt Medienvertreter zum Stallgespräch in den Maststall von Familie Klenkert.

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Raus aus der Redaktion, rein in den Stall“ ist das Motto der Pressegespräche, die im Vorfeld der „Grünen Woche“ in allen Teilen Frankens stattfinden. Der Bayerische Bauernverband (BBV) Schweinfurt hat bei der Gelegenheit in den Stall der Familie Klenkert nach Ettleben eingeladen. Rund 570 Bullen hält die GbR derzeit, die aus Hubert Klenkert und seiner Tochter Franziska besteht. „Ich habe schon vier Ställe gebaut“, sagt Hubert Klenkert, der den Betrieb 1972 auf die Bullenhaltung spezialisiert und seither einige Höhen und Tiefen am Markt erlebt hat.
„Zur Zeit macht es Freude“, sagt er, nicht nur im Hinblick auf die Preise, sondern vor allem auf die Zusammenarbeit mit seiner Tochter. Die sei schon von Kindesbeinen an in die Bullenhaltung hineingewachsen und habe sich bewusst für den Betriebszweig entschieden. „Wir machen das, was wir am besten können“, sagt sie. Deshalb wurde der ausgesiedelte Kaltstall für die Endmast 2001 so konzipiert, dass die mit 26 Tieren relativ großen Gruppen viel Bewegungsfreiheit haben.
„In den Kälberstall kann ich sie nicht reinlassen – das Infektionsrisiko wäre zu hoch“, erklärt Klenkert. „Die Lunge ist der Schwachpunkt beim Rind“, deshalb müssen selbst die Betriebsinhaber aufpassen, dass sie keine Krankheitskeime von einem in den anderen Stall tragen. Vor laufender Fernsehkamera erklären sie, dass sie bei Milcherzeugern Bullenkälber zur Mast kaufen mit einem Gewicht von 80-90 kg. „Stroh funktioniert bei uns nicht“, erklären die beiden. Die Jungtiere leben auf Gummimatten und vertragen die Fußbodenheizung wesentlich besser als Strohstaub. Mit ihrem Transponder können sie am Automaten Milch abrufen, die in Halbliterportionen frisch angerührt wird.

Erfolgreiches Vater-Tochter-Gespann

„Franziska hat ein gutes Auge für die Tiere“, sagt ihr Vater, der ihr deshalb gerne die Kälberaufzucht überlässt. An der alten Hofstelle werden auf 100 Plätzen Fresser für den Verkauf erzeugt. Das Futter wächst zum Großteil auf den 90 ha Acker, auf denen Silomais, Zuckerrüben und Qualitätsweizen angebaut werden.
Weil der Betrieb an der Biogasanlage Ettleben beteiligt ist, wird die Gülle komplett eingespeist. „Mit einem BHKW wird das Schloß beheizt, mit dem zweiten Schwimmbad und Schule“, berichtet Bügermeisterin Edeltraut Baumgartl. „Die Landwirte sind wichtig für den Markt Werneck“, sagt sie und stellt den Begriff „Massentierhaltung“ in Frage.
Über solche Worthülsen diskutieren anschließend auch Kreisbäuerin Barbara Göpfert, BBV-Kreisobmann Michael Reck und sein Stellvertreter Matthias Schmittfull mit den Pressevertretern. „Der Stall ist unser Arbeitsplatz – wir müssen unsere Familie damit ernähren“, sagt Reck, der seinen eigenen Betrieb auf die Direktvermarktung zugeschnitten hat. Er berichtete von einer Bauernmarktkundin, die seine hundert Stallplätze allen Ernstes als Massentierhaltung bezeichnet hatte.
„Solche Vorurteile tun weh“, sagt Barbara Göpfert. Die Kreisbäuerin hätte es lieber, wenn sie gefragt würde, warum die Landwirte etwas tun. „Viele Verbraucher wollen regional einkaufen – aber lehnen jeden Stallneubau ab“, hat sie beobachtet. Dennoch ist jeder neue Stall ein Fortschritt in Sachen Tierwohl.
Schweinfurts BBV-Geschäftsführer Manfred Kraus zeigte, wie rückläufig die Tierhaltung im Landkreis Schweinfurt ist. Er rechnet vor, dass weder die hier erzeugten Schweine, noch die Rinder zur Versorgung der rund 165 000 Einwohner ausreichen würden. Bedauerlich niedrig sei auch die Bereitschaft, für höhere Qualität mehr zu bezahlen.

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