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Biodiversität

Artenvielfalt - mit vielen kleinen Schritten

Praktikertag Triesdorf 18  (53)
Fritz Arnold
am
14.01.2019

Wie die Artenvielfalt verbessert werden kann, war das Thema eines Praxistages des Netzwerks der Triesdorfer Schulen und der Hochschule.

Wenn von Biodiversität und dem Rückgang von Arten die Rede ist, sehen sich die Landwirte schnell auf der Anklagebank. Doch das Thema ist vielschichtig und nicht so leicht auf einen Nenner zu bringen, wie die Referate beim Praxistag des Netzwerks der Triesdorfer Schulen und der Hochschule zeigten.

Einerseits hat sich die Artenvielfalt auf der Erde erst mit der Seßhaftmachung der Menschen und der Einführung des Ackerbaus entwickelt. Andererseits führte die Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Verlust an Arten, erläuterte Professor Dr. Michael Ruderer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Die Vielfalt an Pflanzen, insbesondere von Ackerwildkräutern und Tieren in der Landschaft, hat vor allem mit der Einführung der verbesserten Dreifelderwirtschaft stark zugenommen, sagte der Experte der Fakultät Umweltsicherung. Diese Entwicklung habe bis vor wenigen Jahrzehnten angehalten und dazu geführt, dass auf einem Hektar Acker bis zu 1000 verschiede Arten vorkamen.
Mit der Intensivierung und größeren Feldstücken habe sich diese Entwicklung aber umgekehrt. Dramatische Veränderungen habe es vor allem mit einem deutlichen Rückgang der Feldvögel gegeben. Der Spaziergänger nehme zwar Klatschmohn, Kornblume, Rebhuhn, Storch und Hase besonders wahr, doch gehe es um viele kaum sichtbare Arten, die auf eine strukturierte Landschaft angewiesen seien. Ruderer und die nachfolgenden Redner waren sich einig, dass es nicht möglich sei und angehe, die Landwirtschaft wie früher zu betreiben, sondern darum, einem gewissen Teil an ökologischen Vorrangflächen und halbnatürlichen Flächen Raum zu geben.

Unattraktive Flächen extensivieren

Der Ansbacher Landschaftsplaner Tobias Pape stellte fest, dass vor allem die Randbereiche in der Landschaft fehlen. Manchmal sei das Wort Bereinigung in Flurbereinigungen der 60er- und 70er-Jahren zu wörtlich genommen worden. Er gab sich überzeugt, dass die Beachtung der Biodiversität die Wirtschaftlichkeit nicht beeinträchtigen muss und multifunktional sein könne und müsse. Ein Weg dahin könne sein, unattraktive Bereiche zu extensivieren. Seine Vorschläge reichten von Blühflächen, die besser mehr- als einjährig sein sollten, bis hin zu besondere Blühstreifen, die Nützlinge anlocken. Schnittzeitpunkte lehnt Pape ab, weil diese unterschiedlichen Witterungsverläufen nicht gerecht werden könnten.
Wie moderne und etwas weniger intensive Landwirtschaft betrieben werden kann, zeigte Gerd Schonder vom Betrieb BG-Neuhof im Raum Schöntal in Baden-Württemberg auf. In einem Projekt „Blütenkorn“ arbeiten 13 Landwirte mit 2250 ha Ackerland mit Müllern und der Bäckerinnung zusammen, um über Aufschläge für ihr Getreide „Wertschöpfung durch Biodiversität“ zu erzielen. Mit einer Art Hybridlandwirtschaft will man Bio- und konventionelle Landwirtschaft einander annähern.

Maßnahmen, die für alle verwirklichbar sind

Die Betriebsgemeinschaft hat 100 ha Stilllegungs- und Blühflächen. Die Blühstreifen durchziehen die Felder auch in der Mitte. Gemäß ihrem Nachhaltigkeitskonzept wird bei der Sortenwahl nicht das höchste Ertragsniveau angestrebt. Man gebe sich mit 80 dt Weizen pro Hektar zufrieden und nehme möglichst Sorten, die ohne Pilzbehandlung auskommen. Verzichtet wird auf eine Schädlingsbekämpfung im Erntejahr.
Um der Natur mehr Raum zu geben, werden Wildbienenhotels auch am Feldrand aufgestellt und Steinlesehaufen belassen. Um mit möglichst wenig Unkrautbekämpfungsmaßnahmen auskommen zu können, wurde ein 12 m breiter Striegel gekauft. Letztlich, so Schonder, müsse man auch den Mut haben, auch mal auf einen Eingriff zu verzichten.
Eines der Ziele der Bayerischen KulturLandStiftung ist es, zusätzlichen Flächenverbrauch durch Kompensationsmaßnahmen in Form von ökologischen Ausgleichsflächen zu minimieren. Sie versucht dies über „produktionsintegrierende Maßnahmen“ zu erreichen. Wie Marion Lang erläuterte, verpflichten sich Landwirte, bestimmte Fläche am Rande von Metropolregionen so zu bewirtschaften, dass verdrängte Tier- und Pflanzenarten wieder bessere Lebensbedingungen haben. Als Beispiele dafür nannte sie die Anlage von „Lerchenfenstern“ in Getreidefeldern oder eine extensive Bewirtschaftung von Wiesen, damit auch Kiebitze wieder einen geeigneten Lebensraum haben. Zudem sucht die Stiftung Projektflächen für Wildkräuterpunkte. Finanziell unterstützt werden derartige Maßnahmen über das bayerische Kulturlandschaftsprogramm.

Zum viel kritisierten Maisanbau verwies die Runde auf die Durchwachsende Silphie als Alternative. Wenn diese eine 40-jährige Zuchtarbeit hinter sich habe, dann werde auch der Ertrag besser und sicherer sein.

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