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Öffentlichkeit

Bauer Willi - die Leute zum Nachdenken bringen

Bauer Willi (15)
Fritz Arnold
am
30.11.2018

„Bauer Willi“ gibt Landwirten Tipps für den Umgang mit unsachlicher Kritik

Neustadt/Aisch „Das Dilemma der Essensmacher – mehr Mut zur kreativen Kommunikation“, lautete das Thema, zu dem Dr. Willi Kremer-Schillings, bekannt als „Bauer Willi“, zum 4. Sparkassen-Landwirtschaftsforum in Zusammenarbeit mit dem BBV nach Neustadt/Aisch kam. Wie Kreisobmann Jürgen Dierauff betonte, ging es darum, sich aufzeigen zu lassen, ob es einen Ausweg gibt und wie die Bauern der Kritik hinsichtlich Massentierhaltung, Pestizide und Nitrat begegnen können.

Seinem Institut gehe es darum, sich von einem bundesweit bekannten Experten in der Öffentlichkeitsarbeit erklären zu lassen, wie Wunsch und Wirklichkeit zwischen Konsumenten und Landwirten einander wieder nähergebracht werden können, erklärte Sparkassendirektor Gunther Frautz.
Dass „Willi“ im Internet aktiv wurde und auch das Buch „Sauerei: Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher“ schrieb, nahmen seinen Anfang, als in seinem Ort nahe Köln sich viele Neubürger niederließen und sich bald über Gestank und Lärm aus der Landwirtschaft beschwerten. So schrieb er den viel beachteten Brief „Lieber Verbraucher“. Die rund 400 Besucher hörten gespannt zu, als er erzählte, wie er reagierte, als man ihn als Massentierhalter beschimpfte. Anstatt massiv dagegenzuhalten, brachte er seine Gegenüber mit Gegenfragen zum Nachdenken und zu einem Mitdiskutieren, etwa darüber, wie viel Platz ein Schwein haben, aber auch, was das Produkt daraus dann kosten würde.
Ein großes Dilemma liege nach Bauer Willis Worten darin, dass die Bürger all ihre Forderungen schnell vergessen, wenn sie als Verbraucher zum Discounter zum Einkaufen gehen. Letztlich stellten die Scanner der Supermärkte die größten Wahlurnen dar. Den Landwirten, die oft „Sprachökonomen“ im Gegensatz zu manchen Landfrauen seien, empfahl der Redner den lauschenden Zuhörern zu erklären, was sie als Landwirte machen. Wer wolle, dass die Bauern wie früher arbeiten, der sollte mit der Frage konfrontiert werden, ob er einen Wäschetrockner habe. Denn wer wolle wie früher Wäsche aufhängen?

Alles wird zugespitzt

Ein Kernproblem liegt für „Bauer Willi“ darin, dass heute alles auf Schlagzeilen zugespitzt werde wie beispielsweise der Begriff Insektensterben. In der Regel seien die Fragen sehr komplex, die aber in ihrer Ausführlichkeit keiner hören wolle. Nur sei so zu erklären, dass Mitarbeiter von Fernsehsendern ihn fragten, welche Auswirkungen es für seinen Betrieb hätte, wenn Nitrat verboten würde, ohne das keine Pflanze wachsen könnte. Auch bei der Biolandwirtschaft werde nicht bedacht, dass die Nester von Lerchen zerstört würden, wenn anstelle einer chemischen Unkrautbekämpfung im Frühjahr die Getreidefelder mehrmals gestriegelt werden.
Bei Tagen des offenen Hofes, so Bauer Willis Rat, solle man sich nicht viel überlegen, was man mitteilen möchte, sondern einfach beantworten, was die Leute wissen wollen. Dabei sei es am besten, absolut ehrlich zu sein. Diskussionen sparen könne man sich aber, wenn das Gegenüber Positionen wie eine Religion vertritt, was mitunter bei Vegetariern der Fall sei. An Aussagen, wie dass sie keine Kuhmilch, sondern nur noch Heumilch trinken oder der Frage, wann der Bauer die 1,5 %ige und die 3 %ige Milch melken, sei zu erkennen, wie viel oder wenig echtes Wissen dahinterstehe.

Eingriff in die Natur

Zum häufig verwendeten Begriff Artenvielfalt sagte der Redner aus dem Rheinland, dass jegliche Form der Nahrungsbeschaffung einen Eingriff in die Natur darstelle. Das sei zumindest seit Einführung des Ackerbaus vor 4000 Jahren so.

Wie Bauer Willi meinte auch Kreisbäuerin Renate Ixmeier in ihrem Schlusswort, dass angesichts der Einflüsse der Meinungsmacher und gewisser Organisationen wohl noch viel Geduld nötig sein werde, um in der Öffentlichkeit wieder zu einem realistischeren Bild der Landwirtschaft zu kommen. Es sei nicht möglich, zu den höheren deutschen Standards zu produzieren und zu Weltmarktpreisen zu verkaufen.

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