Login
Almwirtschaft

Beweidung - „Sind auf dem richtigen Weg“

SteinbergerHaaralmLfL
Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
17.07.2018

Die Haaralmgemeinschaft zeigt sich zufrieden mit dem LfL-Weideprojekt. Siegfried Steinberger stellt Einflussfaktoren auf erfolgreiche Beweidung vor.

Rechtler-Chiemgau-Haaralm

Nicht weniger munter als der dahinprasselnde Regen machte sich eine Gruppe des Verbandes für Forstberechtigte im Chiemgau e. V. gemeinsam mit Referent Siegfried Steinberger von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und Wolfgang Winzer vom Landwirtschaftsministerium mit Bussen auf in die Chiemgauer Almlandschaft. Erster Halt war die „neue“ Wasserversorgungsstation der Haaralmgemeinschaft. Laut deren Vorstand Ludwig Böddecker versorge diese seit 2014 acht Hütten und 140 Tiere. Hydraulisch könne das Wasser um 212 Höhenmeter hochgepumpt werden und sei wetterunabhängig und somit „ideal“, erklärte Böddecker. Diese Anlage sei durch das Bergbauernprogramm der bayerischen Landesregierung gefördert und größtenteiils in Eigenleistung der Almbauern errichtet worden. Siegfried Steinberger appellierte – mit Seitenblick auf den Ministeriumsvertreter – an die Versammelten, sich um die Wasserversorgung auf den Almen zu kümmern, „solange dieses so gut gefördert werde.“ Er mutmaßte, dass das Klima 2050 dem jetzigen in Kroatien sehr ähneln würde. Es sei doch das Almjahr heuer schon so trocken, was den Auftrieb schwierig machte, blickte Steinberger zurück. Wolfgang Winzer entgegnete sogleich, er „gehe davon aus, dass das Bergbauernprogramm auch künftig mit gleichen Konditionen fortgeführt werde“.

Auf der Haaralm angekommen stellte Steinberger das gemeinsame Almweideprojekt der LfL im Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft auf der Haaralm vor. Dieses startete im Jahr 2012 als Pionierprojekt, mittlerweile betreut die LfL neun weitere Almen. „Wir glauben, wir sind auf dem richtigen Weg“, zeigte sich Almgemeinschaftsvorstand Böddecker zuversichtlich.

Das magische Dreieck

Die auf den Weiden umgesetzten Maßnahmen beziehen sich auf drei Faktoren, das „Magische Dreieck der Almwirtschaft“, wie Steinberger deren Zusammenspiel nennt.
  • Die Tiere werden rechtzeitig aufgetrieben, dieses Jahr am 7. Mai, statt wie gewohnt um den 10. Juni. „Das war für uns eine Punktlandung“, zeigt sich der Referent zufrieden. Im Allgemeinen beginne die Vegetation zwei bis drei Wochen früher, durch den Temperaturanstieg beginnt das Graswachstum nicht nur zu einem früheren Zeitpunkt, sondern auf mit gesteigertem Ertrag.
  • Um diesen Aufwuchs „bewältigen“ zu können, müsse die Tierzahl um 20-30 % erhöht werden. Auf der Haaralm sind jetzt 106 Stück Vieh, zuvor waren es 75. Diese sind in zwei Herden aufgeteilt. „Da brauchts zwar mehr Zaun“ gibt Steinberger zu. „aber die Tiere sind besser verteilt und die Absturzgefahr verringert sich“.
  • der dritte „magische Pfeiler“ ist die gelenkte Weideführung mit abgetrennten Koppeln durch mobilen Elektrozaun.
Gleichmäßige Nutzung entlastet auch den Wald, argumentierte er in Richtung Forst.

Weniger Hochwasser

Für den Referenten ist die Kurzrasenweide die „arteigenste Form des Weidens“, sagte er. Gleichzeitig trage es zum Umweltschutz bei, Denn, so seine Erklärung, eine Streuauflage durch Weiderückstand wirke wie eine Strohdacheindeckung wasserabweisend. Deshalb kann Wasser nicht versickern, die Folge ist Hochwassergefahr. Dem wirkt das System der Kurzrasenweide entgegen, bei dem der tägliche Aufwuchs abgefressen wird. Unter den aufmerksamen Zuhörern war auch Alfons Leitenbacher, Behördenleiter des AELF Traunstein. Er habe die Projektalm jedes Jahr angeschaut und sei „voll und ganz von der Bewirtschaftung überzeugt“. Der Bürstling werde zurückgedrängt und es entwickle sich eine Artenvielfalt, besonders ganz oben auf der Alm.

Rundherum gestärkt durch aufgefrischtes Wissen, wärmenden Kaffee und sättigenden Brotzeit in der Haaralm ging es für die Gruppe wieder zurück ins Tal.

Auch interessant