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Das Bier ist noch nicht in Gefahr

Hopfenerntegespraech
Externer Autor
am
23.08.2018

Stark unterschiedliche Hopfenernten um Spalt/Gewichtsverluste bis 30 % erwartet.

Ein Wetterumschwung hätte die Erntemenge noch deutlich steigern können. Doch er blieb aus und so mussten die Pflanzer so früh wie noch nie die Reben einbringen. Beim Erntegewicht drohen Verluste bis zu 30 %. Doch die äußere Qualität ist betörend, nun ruht die Hoffnung auf den „inneren Werten“, so das Fazit bei einem Pressegespräch zur Hopfenernte.

Diesmal waren die Experten auf dem Hof von Otto Scheuerlein zu Gast, der erst wenige Stunden vor dem Eintreffen der Medienvertreter mit dem Einholen begann. Ende Juli haben schon die ersten Hopfenbauern im Spalter Anbaugebiet, das von Hersbruck bis Kinding reicht, mit dem Abernten begonnen. Die Stimmung sei dort eigentlich gar nicht so schlecht. Die Anbaufläche war im Vergleich zum Vorjahr um 13 auf nunmehr 404 Hektar erweitert, die von konstant 55 Pflanzern bewirtschaftet werden, Aussteiger gibt es keinen. Und eine hohe Vertragsquote garantiert den Hopfenbauern langfristig gute Preise.

Ein Blick in die Erntewägen verheißt ebenso Gutes: Grasgrüne Dolden mit exzellenter Optik, beim Aufbrechen lachen einem die so wichtigen Lupulinkügelchen entgegen, die den eigentlichen Geschmacksstoff bergen. Sorgen bereiten die Niederschläge, „die uns im Stich gelassen haben“, wie Werner Wolf formuliert, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Roth. Seit Februar fiel in jedem Monat teils deutlich unterdurchschnittlicher Regen auf die Hopfengärten, im vergangenen Jahr noch lag man immer über dem langjährigen Mittel.

Im Juni 2018 betrug die Niederschlagsmenge gar nur ein Drittel des Vorjahresmonats. „Seit Mitte April haben wir Sommer“, so Wolf, an 60 Tagen stieg das Thermometer auf 25 °C und darüber. Mit dem Wasser und kühleren Graden fehlte es „an den beiden wichtigsten Motoren des Wachstums“.

Punktuelle Wetterereignisse

Durch punktuelle Wetterereignisse habe sich die Dramatik in einigen Betrieben auch noch zugespitzt. In Abenberg und Wassermungenau hatte man zudem mit Hagel zu kämpfen. Die Ernte beginnt heuer zwei Wochen früher als gewohnt. Das Pressegespräch dazu fand sogar noch vor der offiziellen Hopfenernteschätzung statt. „Das war noch nie da!“, so der Landwirtschaftsdirektor.

Die Ergebnisse sind äußerst verschieden – auch innerhalb eines Betriebs. So finden sich bei den Scheuerleins prächtig ausgebildete direkt neben verkümmerten Dolden - die sogenannte Nachblüte, der beim Wachstum die Energie ausging.

Dass das Ergebnis im Familienbetrieb besser als erhofft ist, führen dessen Mitglieder auf die heuer erstmalig durchgeführte Tröpfchenbewässerung seiner 3,5 ha großen und vom eigenen Stallmist gedüngten Hopfenanbaufläche zurück. „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt,“ so Stefan Scheuerlein. Insgesamt wird auf 20 % der Fläche im Anbaugebiet bewässert. Ein Landschaftsweiher, der seinerzeit eigens dafür angelegt worden war, kommt dabei nun in Kombination mit einem eigenen Brunnen dem Nebenerwerbsbetrieb zugute. Der Vater arbeitet im Mineralfutterverkauf, Sohn Stefan ist Zimmerer.

Kalender verschoben

Am meisten unter der Witterung gelitten hätten die angestammten Landsorten „Hallertauer Mittelfrüh“ und „Spalt-Spalter“. Aber generell gelte: "Jede Temperatur über 30 °C tut unserem Hopfen weh, egal in welcher Phase er sich befindet". So formuliert es Friedrich Kolb, stellvertretender Vorsitzender des Spalter Hopfenpflanzerverbandes. Heuer habe die Hitze den gesamten Kalender verschoben – von der zu frühen Blüte im Mai bis hin zur notgedrungen frühen Ernte.

Handeln dringend nötig

Andreas Auernhammer von der Spalter HVG (Hopfenverwertungsgenossenschaft) befürchtet bereits: „Ohne Bewässerung sterben bei uns die Sonderkulturen Hopfen und Obst in zehn Jahren aus“. Um dem vorzubeugen, wollen die Gemeinden Abenberg, Absberg, Georgensgmünd, Röttenbach und Spalt einen überregionalen Bewässerungsverband für diese beiden gebietsprägenden und damit auch tourismusrelevanten Sonderkulturen gründen, für den gerade eine Machbarkeitsstudie erstellt wird. Handeln sei dringend nötig, denn die alle paar Jahre ausgerufenen Jahrhundertsommer „werden bei uns zur Normalität“, so Kolbs Prognose.

Die jetzige schwache Ernte bedeute für die Bauern zwar hohe Einbußen, „aber das Bier ist nicht in Gefahr“, betonte der Vorstandsvize. Drei solche Jahre wie dieses in Folge sollte es aber nicht geben. In den Lagern zehrt man noch von der letztjährigen Rekordernte, so Auernhammer. Einige Sorten seien aber auch „komplett ausverkauft. Nun gilt es auf die Qualität der „inneren Werte“ zu hoffen, die erst noch bestimmt werden muss. Und darauf, dass der Witterungsverlauf für die späten Sorten sich noch ändert, die erst in bis zu drei Wochen zur Ernte fällig sind. „Ich wünsche uns allen einen schönen Landregen“, so Wolf abschließend. ley
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