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Bodenschutz

Boden riechen und schützen

Kathrin Lindner
am
09.01.2017

Schönwald - Der wichtige Betriebsfaktor Boden wird in Schönwald in den Mittelpunkt gerückt. Experten stellen Bildungsangebote und technische Verfahren vor.

Bodenprobe

Den Boden schützen und bewahren stellt eine Aufgabe dar, die häufig im hektischen Alltag des Betriebes in den Hintergrund gerät. Diesen Betriebsfaktor in den Mittelpunkt zu stellen war das Ziel von Anton Weig (Pflanzenbauberater und Lehrer am AELF Bamberg) und Johannes Vogel (Wasserberater am AELF Coburg) in den boden:ständig-Projektgebieten im östlichen Oberfranken. Die Berater berichteten bei einer Veranstaltung in Schönwald von ihren Erfahrungen zum Bodenschutz durch reduzierte Bodenbearbeitung und Strip-till Verfahren bei Mais.
Anton Weig hat sich zum Ziel gesetzt, dass im Zuge der landwirtschaftlichen Aus- und Fortbildung jeder Teilnehmer lernt, einen Boden per Spatenprobe zu beurteilen und auch am Boden zu riechen. Ein sicheres Gespür für den eigenen Boden ist seiner Ansicht nach wichtig, um die Auswirkungen des eigenen Handelns abschätzen und negative Einflüsse verringern zu können. „Wir sollten viel verantwortungsvoller mit diesem wichtigen Gut umgehen, da die natürliche Bodenbildung von 1 cm Boden zwischen 100 bis 300 Jahre andauern kann“, so der Berater.
Wichtig ist es, die Bodenstruktur im Blick zu haben. Kalk- und Humusgehalt gelten hierfür als wichtige Indikatoren. Die im Internet zugängliche Humusbilanzierung der LfL kann eine Einschätzung über die „eigenen“ Humusvorräte geben. „Von der Ernte der Wintergerste bis zur Maisaussaat können neun Monate vergehen, in denen die Fläche brach liegt – aber würden Sie ihre Photovoltaikanlage so lange abschalten?“ – wirft der Berater die Frage in den Raum. In diesem Zeitraum kann eine Zwischenfrucht auf dem Acker Sonnenenergie speichern, das Bodenleben ernähren und der Erosion entgegenwirken. Das oft empfohlene Walzen oder Mulchen der Zwischenfrucht vor Mais im Spätherbst oder Winter sieht Anton Weig hingegen als oft nicht zielführend: Gerade das Niederwild verliert eine wichtige Deckungsmöglichkeit und die geringere Beschattung im Frühjahr führt zu einem stärkeren Unkrautdruck.
Aber auch die zunehmenden Maschinengewichte sieht der Berater mit Sorge. Radlasten von bis zu 10 t und mehr, vor allem bei Gülleausbringung und Ernte, erzeugen vornehmlich bei hoher Bodenfeuchtigkeit Verdichtungen bis in Tiefenbereiche, die technisch nicht mehr zu beheben sind. Um Gewichte zu reduzieren ohne Flächenleistung zu verlieren, entschied sich beispielsweise ein Betriebsleiter in seinem Beratungsgebiet für den Kauf von zwei sechsreihigen anstatt einem zwölfreihigen Maissägerät. Dafür braucht er zwar einen zusätzlichen Schlepper mit Fahrern, ist aber insgesamt flexibler und erzeugt auch bei feuchtem Untergrund weniger Bodendruck.
Dass sich die Streifenlockerung, das sogenannte Strip-till-Verfahren, im Allgemeinen positiv auf die Bodenstruktur, sowie die Wasserinfil-
tration und das Wasserspeicher-Vermögen des Bodens auswirken kann, ist bekannt. Somit kann Erosion verringert und den Pflanzen mehr Wasser zur Verfügung gestellt werden. Anton Weig berichtete von seinen mehrjährigen, überwiegend positiven Praxiserfahrungen mit Strip-till zu Mais und Rüben sowohl bei der  Herbst- als auch alternativ bei der Frühjahrslockerung. Er sprach aber auch mögliche – nicht zwangsläufige – Probleme einer solchen reduzierten Bodenbearbeitung wie z.B. Schwierigkeiten mit Altverunkrautung, Zunahme von Feldmäusen und eventueller Mehraufwand an Glyphosat an.
Eine Erweiterung des Verfahrens stellt die Güllegabe im Schlitzverfahren dar. Im Vergleich zur Breitverteilung wird die Pflanze gezielter ernährt. Dadurch soll die aufgewendete Düngermenge reduziert, Mineraldünger eingespart und die Stickstoffauswaschung vermindert werden. Ob die Technik tatsächlich praxistauglich ist, nimmt Johannes Vogel anhand von Demoversuchen in den Landkreisen Hof und Wunsiedel unter die Lupe. Der Wasserberater weist darauf hin, dass auch hier ein gut etablierter Zwischenfruchtbestand für den Erfolg des Systems mit entscheidet. Allerdings seien die Maschinengewichte derzeit noch zu hoch und die Landmaschinenindustrie gefordert, Lösungen wie die Gülleverschlauchung weiter zu entwickeln. Ob das Strip-till Verfahren einen dauerhaften Beitrag zu einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung leistet, ließ sich aus dem bisher einjährigen Versuch noch nicht ableiten.
Die Referenten beenden den Abend mit dem Appell, die Aus- und Weiterbildung als Anstoß zu sehen, das eigene Tun zu hinterfragen und Neues auszuprobieren. Beides Voraussetzungen um seinen Boden und damit seinen Betrieb nachhaltig zu bewirtschaften.

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