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Bodenpraktikerkurs

Bodenerosion ist Selbstenteignung

Phacelia
pd
am
03.05.2017

Hemmersheim - Manchmal ist es gut Experten von „außen“ zu holen, damit man die Wahrheit vor Ort erkennt. Entsprechend diesem Motto hat Kursleiter Martin Primbs einen Österreicher nach Franken geholt.

Nach Einschätzung von Primbs befindet sich der Ochsenfurter Gau und die gesamte landwirtschaftlich genutzte Region Nordbayerns bereits mitten im Klimawandel. Die Sturzregenereignisse von 2016 mit enormen Bodenverlust und Sturzfluten und die heurige Frühjahrstrockenheit seien ein erster Vorgeschmack darauf. Die Landwirte müssen sich auf die neuen Wetterbedingungen einstellen. Wie das geht, dazu hatte Dr. Wilfried Hartl von Bio Forschung Austria, Fachmann für ökologische Landwirtschaft und Hauptreferent des laufenden Bodenpraktikerkurses am Lindenhof Hemmersheim, einiges zu sagen.

Tiefe Wurzeln erschließen Wasserreserven

Der Ochsenfurter Gau ist aus Bodensicht ein guter Standort. Mit seinem hohen Anteil an Lößböden bietet er gute Anbaubedingungen. Bei Löß ist die Hälfte des Bodenvolumens mineralischer Boden und die andere Hälfte Porenvolumen. In diesem Porensystem befinden sich Wasser und Luft und es stellt den Lebensraum der Bodenorganismen dar. Dabei kommt es auf die Mittel- und Grobporen im Boden an, die bei einer Lößmächtigkeit von 1 m etwa 200 l durch die Pflanzen wieder nutzbares Wasser pro Quadratmeter speichern können.  Bei 2 m dicken Lößschichten sind es dann schon 400 l Wasser.

Viele Nutzpflanzen können in unverdichteten Böden ihre Wurzeln bis in große Tiefen wachsen lassen, sodass sie an diesen Vorrat herankommen können. Dabei werden sie von den Mykorrhiza-Pilzen unterstützt, die Wasser auch noch aus kleinen Poren holen und sie mit den Pflanzen gegen Zuckerverbindungen tauschen. Das funktioniere jedoch nur, so die Meinung von Dr. Hartl, wenn keine Fungizide als Spritzmittel und keine leichtlöslichen Mineraldünger verwendet werden.

Anhand mehrerer Beispiele aus trockenen österreichischen Gebieten konnte er aufzeigen, dass dort die Erträge der langjährig ökologisch wirtschaftenden Betriebe in trockenen Jahren höher ausfallen als bei konventionellen Betrieben. Dieser Unterschied sei der Grund, warum derzeit dort so viele Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweise umstellten.

Geringere Temperaturen bedeuten niedrigere Verdunstung

Anhand von tschechischen Luftbildern erklärte der Bodenfachmann, dass auch die Umgebung von Bedeutung ist, da sich in besiedeltem Gebiet die Luft stärker aufheizt und dann negative Auswirkungen auf die Temperatur auf den Feldern hat. Umgekehrt führen Wälder und Windschutzhecken zu einer deutlichen Verbesserung der Verdunstungssituation und sogar zu deutlich höheren Erträgen. Ähnlich wie im österreichischen Marchfeld empfiehlt Dr. Hartl für den Ochsenfurter Gau ganz dringend und rasch die Anlage von solchen Windschutzhecken auf der gesamten Fläche des Ochsenfurter Gaus. Sie beugen auch der Winderosion vor, die bei der Bearbeitung trockener Lößböden ganz enorm sei und fangen die Staubpartikel auf.

Mit Humus die Speicherfähigkeit erhöhen

Eine weitere unverzichtbare Methode, die Wasserspeicherfähigkeit zu erhalten, sei die Erhöhung des Humusgehaltes im Boden durch den Anbau von Zwischenfrüchten. Allerdings nicht von Senfmonokulturen, die zu hohem gasförmigen Stickstoffverlust und damit auch Geldverlust für die Landwirte führen, sondern von standort- und klimagerechten Mischungen verschiedenster Pflanzen. Damit im Frühjahr noch ein hoher Anteil von Mulchmaterial auf der Oberfläche der Felder bleibt, empfiehlt er diese Bestände abfrieren zu lassen und im Frühjahr mit modernen Mulch-Säverfahren die Ansaaten zu machen. Da das Wasser im Frühjahr auf den Lößböden durch die Kapillarität von unten komme, entwickelt sich auch die Saat gut und die Bestände haben gute Startbedingungen.

Regenwürmer vermindern Oberflächen-Abfluss

Bei der Besichtigung einer Bodenprofilgrube am Nachmittag staunten die Landwirte über die enorm große Anzahl an Regenwurmröhren in 1,50 m Tiefe. Auf 20 qcm Fläche konnten über 12 Röhren gezählt werden. Dr. Hartl erklärte ihre enorme Bedeutung bei Starkregen; durch die vielen oberflächlichen Öffnungen könne bei starkem Regen Wasser in die Tiefe geleitet, dort gespeichert und damit wieder pflanzenverfügbar werden.

Böden mit hoher Krümelstabilität würden Wassertropfen bei Starkregen Widerstand leisten, das Wasser aufnehmen, während stark gedüngte mit Fungiziden und Herbiziden gespritzte Böden rasch verschlämmen, sodass Wasser dann oberflächlich wegfließt und oft auch noch Erde mitnimmt.

In Österreich haften Landwirte für Schäden durch Erosion

Dr. Hartl bezeichnete das Akzeptieren von Bodenerosion als Selbstenteignung. Er berichtete auch, dass in Österreich das Verursacherprinzip gälte und Landwirte für alle Kosten, die durch Erosion auftreten, in Haftung genommen werden.

Die Kursteilnehmer konnten so verstehen, dass die Böden nicht nur fit für die enormen Herausforderungen von Trockenheit und Extremtemperaturen gemacht werden, sondern auch gleichzeitig auf die drohenden Sturzregen vorbereitet werden müssten. Jeder Tropfen Wasser sollte mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in der Landschaft gehalten werden.

Zum Ende des Workshops stellte Dr. Hartl noch bodenschonende Bearbeitungstechniken vor und zeigte ein Gespann mit modernem Traktor, Frontgerät, angehängtem Bodenbearbeitungsgerät inclusive perfekter Sämaschine mit ingesamt nur 6700 kg Gewicht. Er forderte generell effiziente, leichtere Maschinen- und Erntetechnik zum Schutz der Böden in unserem Klimagebiet.

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