Login
Landtechnik

Bodenschutz hat oberste Priorität

Direktsaat-Sonderhofen-B1_LF
Kein Bild vorhanden
Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
27.05.2019

LfL-Experten kommen zum Direktsaattag für Mais und Zuckerrüben.

Direktsaat-Sonderhofen-B3_LF

Sonderhofen/Lks. Würzburg Der Schutz des Bodens stand im Vordergrund bei einem Direktsaattag, zu dem die Regierung von Unterfranken eingeladen hatte. Landtechnikexperte Dr. Markus Demmel von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) informierte über den bodenschonenden Einsatz von Landmaschinen. Ihm geht es darum, die Tragfähigkeit der Böden zu verbessern, zum Beispiel durch Bodenbearbeitungsverfahren mit reduzierter Häufigkeit, Intensität und Eingriffstiefe.

Schlammschlachten vermeiden!

Direktsaat-Sonderhofen-B2_LF

Eine gute Kalkversorgung und Geduld sind ihm wichtig. Vor allem sollte das Befahren zu feuchter Böden vermieden werden. „Schlammschlachten vermeiden!“, rät Demmel. Denn wenn Schäden zu sehen sind, fehlt es bereits weit. Den Reifendruck anpassen – das ist ein wichtiges Hilfsmittel, um Probleme zu vermeiden, wenn der Boden nicht nur Pflanzenstandort ist, sondern auch als Fahrbahn genutzt werden muss. Praktisch dafür seien Reifendruckverstellanlagen. Als „unverantwortlich“ bezeichnete er es, wenn bei einem neuen Güllefass keine Luftdruckverstellanlage dabei sei. „Hochdruck-Straßenbereifung gehört nicht aufs Feld“, sagte er und meinte „wir müssen bei der Gülle zur Verschlauchung kommen“.

Direktsaat-Sonderhofen-B4_LF

Auch sollten Fahrwerke mit großer Aufstandsfläche genutzt werden, zum Beispiel Bandlaufwerke, Zwillingsräder oder zusätzliche Achsen. Alles in allem sollten niedrigere Radlasten bevorzugt werden.

Direktsaat-Sonderhofen-B6_LF

„Bodenverdichtung kostet Geld“, hatte ein Zuhörer verinnerlicht. „Bodenvernichtung erst recht“, sagte er und kritisierte die Umgehungsstraße, die im Ochsenfurter Gau 30 ha verbraucht.

Direktsaat-Sonderhofen-B5_LF

Als Herausforderung in Feld und Flur bezeichnete Florian Ebertseder von der LfL den Erosionsschutz. Am Beispiel der Stadt Simbach zeigte er, wie Erosion im Feld beginnt, aber dort nicht endet. „Hier in der Gegend scheint auch die Winderosion ein Problem zu werden“, stellte er fest. Bewiesen sei, dass die Regen- erosivität in Bayern zunimmt. Um den Bodenabtrag zu bremsen, seien Mulchsaatverfahren wirksam für den Flächenschutz. Im Gegensatz zum „reinen Tisch“ haben sich die klassische Mulchsaat mit Saatbettbereitung oder die Direktsaat bewährt. „Jeder Strohhalm ein Staudamm“, erklärte Ebertseder. Er rät Reihenkulturen in Mulch- oder Untersaat auszubringen, weniger Risikokulturen anzubauen und Hanglängen zu verkürzen durch Schlagteilung. Außerdem erinnerte er an ackerbauliche Tugenden wie die Kalkdüngung. „Wer seinen Betrieb erfolgreich in die Zukunft führen will, braucht auch gesellschaftliche Akzeptanz“, sagte er.

„Aktuelles zur Düngeverordnung“ war das Thema von Alfred Fuchs vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg. Er versuchte zu erklären, warum Sonderhofen – wie 80 % im Landkreis Würzburg – eigentlich rot ist und bekam den Unmut der Praktiker darüber zu spüren.
Einen Tastversuch mit dem Thema „wieviel Nitrat kann gebunden werden unter unseren Bedingungen“ stellte sein Kollege Lukas Geißenmeier vor. Sein Fazit: „Die Verschärfung der Düngeverordnung wird kommen – es bringt uns was“. Zwischenfrucht könne das Nitrat im Boden reduzieren. Eine frühe Saat stehe im Widerspruch dazu, das Ausfallgetreide zu bekämpfen. Zwischenfrucht solle als Hauptfrucht behandelt werden. Senf sei besser als gar keine Zwischenfrucht (Anm. d. Red: aber nicht in Rapsfruchtfolgen), wenn möglich solle eine Zwischenfruchtmischung zum Einsatz kommen. Positive Effekte seien eine geringere Verschlämmung und mehr Bodenleben. „Die Nährstoffe gehen nicht verloren, sondern werden gespeichert“.

Erfahrungen mit Zwischenfruchtanbau

Franz Walch betreibt in Sonderhofen schon seit 1992 systematischen Zwischenfruchtanbau. Er bewirtschaftet 50,5 ha Acker und 2 ha Grünland. Auf 17 ha baut er Winterweizen an, auf 3,5 ha Wintergerste, auf 4,6 ha Sommergerste. 9,4 ha Silomais gehen teilweise in die Biogasanlage. Hinzu kommen 16 ha Zuckerrüben. Vor ihnen baut er grundsätzlich Zwischenfrüchte an, heuer eine Mischung aus 60 % Senf, 30 % Rauhhafer und 10 % Phacelia. Dabei möchte er sie so mastig, dass sie lagert, „damit die Regenwürmer ihr Futter leichter einziehen können“.
„Zwischenfrucht kostet Wasser“, hieß es aus dem Publikum. „Übers Jahr gerechnet nicht“, sagt Walch, der aber ehrlicherweise auch die Nachteile anführt: Man kann mit dem Direktsaatgerät erst später reinfahren. Was machen wir, wenn Glyphosat verboten wird? Es kann Probleme mit Schnecken und/oder Wühlmäusen geben. Walchs Antrieb sei, vor der Saat keine Spur in den Acker zu machen. Er möchte die Nährstoffe im Boden speichern. Und es ist ihm wichtig, dass der Boden da bleibt, wo er ist. Hacken ist kein Thema auf den Mulchsaatflächen, denn „Hacken kostet Humus“, sagt er.
Düngung ist nicht mehr erlaubt, außer wenn die Zwischenfrucht als Futter genutzt wird. Das bedeutet für den Betrieb, der 70 Bullen hält, dass er Güllelagerraum für ein Dreivierteljahr vorhalten muss.

Max Taiber vom Maschinenring Maindreieck stellte anschließend verschiedene Möglichkeiten der umweltfreundlichen Gülleausbringung vor. Am Nachmittag wurden unterschiedliche Mulch- und Direktsaatverfahren erst auf einem Rüben- und anschließend auf einem Maisfeld vorgestellt und von Experten kommentiert. Wasserberaterin Eva Heilmeier vom AELF Karlstadt warf zusammen mit Florian Ebertseder einen „Blick in den Boden“. Schließlich zeigten sie und Wasserberater Anton Lesch vom AELF Würzburg mit dem Regensimulator der LfL, wie Böden nach unterschiedlicher Bodenbearbeitung auf Starkregen reagieren. „Je mehr Mulch, desto besser hält der Boden stand“, war ihr Fazit.

Auch interessant