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Auf Bodenschutz wird Wert gelegt

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
25.06.2018

TenneT informiert unter anderem in Heustreu im Kreis Rhön-Grabfeld über das SuedLink-Projekt.

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Der Strom muss ab in den Süden. So steht es auf der ersten von vielen Informationstafeln, mit denen die TenneT bei mehreren Veranstaltungen über SuedLink informierte. Zu den Vorgesprächen waren vor allem die Bürgermeister der Region eingeladen. Anschließend nutzten auch sie die Gelegenheit, bei den Experten des Stromnetzversorgers nachzufragen.

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SuedLink besteht aus den beiden Gleichstrom-Verbindungen Brunsbüttel-Großgartach und Wilster-Grafenrheinfeld. Rechtlich handelt es sich um zwei getrennte Projekte, für die jeweils ein eigener Antrag auf Eröffnung des Bundesfachplanungsverfahrens gestellt wird. Beide Verbindungen werden jedoch zeitgleich und in enger Wechselwirkung geplant und voraussichtlich über eine weite Strecke parallel verlegt, heißt es in einer Broschüre, in der das SuedLink Projekt vorgestellt wird.

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Darin heißt es auch: Sichere Netze sind die Voraussetzung für eine stabile Stromversorgung. Mit der voranschreitenden Energiewende verändern sich die Anforderungen an die Strominfrastruktur grundlegend: Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien – vor allem der Windenergie On- und Offshore im Norden Deutschlands – und durch den Ausstieg aus der Kernkraft entsteht ein zunehmendes Nord-Süd-Gefälle bei Stromerzeugung und -verbrauch in Deutschland. Zukünftig werde die Energie stärker dezentral erzeugt und müsse über weite Strecken vom Ort der Erzeugung zu den Verbrauchszentren transportiert werden.

Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 die Stromproduktion aus Windkraftanlagen on- und offshore 73 500 Megawatt (MW) betragen wird. Dazu kommen weitere 66 300 MW erneuerbarer Energien aus Photovoltaik. SuedLink komme daher eine Schlüsselrolle für die Vernetzung dieser Erzeugungsarten zu. Eine effiziente Übertragungsleitung, die den Strom verlustarm genauso von Nord nach Süd wie auch umgekehrt transportieren kann, bilde deshalb das Herzstück des erforderlichen Netzausbaus.
Derzeit werden jeweils zwei 1 km breite Korridore geprüft, in denen die vier Leitungspaare auf einer Breite von letztendlich 40 bis 50 m unterirdisch verlaufen. „Danach wird die Bundesnetzagentur Erörterungstermine anberaumen“, informierte Dr. Elisabeth Benecke, Referentin für Bürgerbeteiligung. Die Bauphase soll 2012 beginnen, so dass die Leitung 2025 in Betrieb gehen kann. „Wir sind dabei, Leitlinien mit den Verbänden auszuarbeiten“, sagte sie auch.
Eines der schwierigsten und herausforderndsten Themen werde dabei das Thema Boden sein. Denn die geschlossene Verlegeweise, bei der die Kabel unter Gewässern oder Straßen durchgezogen werden, komme nur für die Querung sensibler Bereiche in Frage. Bei der offenen Verlegung werden Gräben gezogen und die Kabel auf ein Sandbett abgelegt. Darüber kommt eine 1,30 m hohe Abdeckung, die oberste Schicht wird der ursprüngliche Mutterboden, der während der Bauarbeiten an der Seite abgelegt wird.

Fokus auf Bodenschutz

„Beim Bau wird darauf zu achten sein, dass der Boden weder verdichtet wird, noch zu locker gepackt“, sagt Dieter Pfeiffer, Bodenexperte bei der TenneT-Genehmigungsplanung. Die Forderung der Landwirte „Der Boden muss durchwurzelbar sein, er darf nicht verdichtet werden, er muss Wasser und Luft speichern können und seine Pufferkapazität muss erhalten bleiben“ würde er eins zu eins unterstreichen. Die unterschiedlichen Böden bieten technische Herausforderungen. Sie sollten nur dann befahren und bearbeitet werden, wenn es die Bodenwassergehalte zulassen. „Wenn der Bauer keine Landbestellung vornehmen kann, weil der Boden zu nass ist, dann sollten wir tiefbaumäßig nicht aktiv werden“, sagte Pfeiffer. Und: „Die Bedenken der Landwirte sind berechtigt.“
Doch er ist auch überzeugt: „Es gibt technische Möglichkeiten, potenzielle Schäden nicht zu verursachen“, zum Beispiel Kettenfahrzeuge oder Luftdruckregelung. Die Baumaßnahme sollte mit Eigentümern und Bewirtschaftern abgestimmt sein. „Auch das ist leistbar“, meinte er.
Klar sei, dass man den Boden nie wieder so herstellen kann, wie er in Jahrtausenden entstanden ist. „Aber man wird hinkriegen, dass er wieder seine Funktionen erfüllt.“ Notfalls müsse man zwei Unterbodenmieten anlegen. Bisherige Projekte hätten ergeben, dass die Böden das gleiche Ertragspotenzial aufweisen wie vor der Baumaßnahme. Die Kabel liegen 1,65 m tief in ihrem Sandbett. Erwärmungen sind bislang nicht aufgetreten, „allerdings müssen wir dazu sagen, dass in Norddeutschland dieser Horizont ganzjährig wassergesättigt ist“, räumt er ein. In Franken werde es vermutlich keine signifikanten Veränderungen geben. Es gebe derzeit leider keine Untersuchungen, ob das beispielsweise in Trockenlagen anders sei. „Diesen Schwachpunkt hat die Politik zu vertreten“, sagte Pfeiffer, Untersuchungen in dem Bereich hätte man bereits vor Jahren anschieben können. „Tennet hat bereits 1800 Kilometer Gleichstromkabel gebaut, dabei zeigen sich keine Ertragseinbußen auf Flächen, wo Stromkabel liegen“, sagte Pfeiffer. Modellrechnungen zeigen, dass keine signifikanten Veränderungen zu erwarten sind.
Es werde ein Leitfaden für Bodenschutz geschrieben, in den derzeit das feedback der Verbände eingebaut werde. Lösungen für Problembereiche können nur im konstruktiven Gespräch gefunden werden, sagte Pfeiffer, „und das ist das Kernstück unserer weiteren Planungen.

Fünf Bauphasen

Schematisch wurden auch in der Broschüre „Bodenschutz ist Grundvoraussetzung bei SuedLink“ die fünf Bauphasen gezeigt: Zur Vorbereitung werden die geplante Lage der HGÜ-Erdkabel (Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung) und die Baustelle vermessen und abgesteckt. Dann wird die Trasse auf Kampfmittelfreiheit untersucht und, wo nötig, von alter Munition befreit. Parallel dazu arbeiten Archäologen entlang der Leitungstrasse. In Phase 2 wird eine temporäre Baustraße errichtet, der Mutterboden sorgsam abgetragen und der Graben für die Erdkabel ausgehoben. In Phase 3 werden die Kabel von Spezialtransportern an die Baustelle geliefert und mit einer Zugwinde eingezogen. In Phase 4 werden die Kabelenden miteinander vermufft. Die fertigen Muffen und das gesamte Kabel liegen in einem Bettungsmaterial, um es vor mechanischen Schäden zu schützen. Bei der Rückverfüllung des Unter- und Oberbodens werden zusätzliche Schutzplatten und Warnbänder verlegt. Nachdem der Graben wieder verfüllt ist und die Bauarbeiten abgeschlossen sind, beginnen die Rekultivierungsarbeiten. Der Bereich kann anschließend wieder landwirtschaftlich genutzt werden.
Eine forstwirtschaftliche Nutzung ist nur in Form von Christbäumen oder Kurzumtriebsplantagen zulässig. Beide Kulturen müssen bei einer maximalen Höhe von 5 m geerntet werden. So soll verhindert werden, dass das Wurzelwerk Schaden anrichtet. Der Schutzstreifen mit einer Breite von 21 bis 30 m bei der Stammstrecke muss auch dauerhaft von Bebauung freigehalten werden, heißt es in der Broschüre.
Informiert wird auch über die Konverter (Umrichterstationen), die Wechselstrom in Gleichstrom und wieder zurück verwandeln. Sie sind an den Netzverknüpfungspunkten (NVP) notwendig. Grafenrheinfeld ist so ein NVP. „Das gesamte Gelände einer Konverterstation hat je nach technischer Ausführung einen Flächenbedarf von etwa sieben Hektar. Auf einem Viertel der Fläche werden die Konverterhallen errichtet, eine Halle für den Plus- und die andere für den Minuspol der Gleichstromverbindung. Auf dem Konvertergelände befinden sich neben den etwa 20 Meter hohen Hallen außerdem weitere technische Anlagen wie Transformatoren, Lüftungsanlagen und Kühlaggregate. Der Großteil der Fläche kann wieder begrünt werden.“ LF
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