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Chancen für die Bauern

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Stephan Herbert Fuchs
am
08.02.2019

Winterversammlung der Viehvermarktungsorganisationen VVG und NVG

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Während die Rinder- und Schweineproduktion in Europa zurückgeht, nimmt sie in anderen Länder wie China oder den USA deutlich zu. Das hat Dr. Sebastian Hill, Geschäftsführer der Nordbayerischen Vermarktungsgesellschaft (NVG)-Bovex GmbH bei der gemeinsamen Winterversammlung mit der Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Nordbayern in Himmelkron festgestellt.
Für die NVG machte Hill einen positiven Trend aus. Die Zahl der gehandelten Tiere stieg 2018 um fast 13 000 auf 478 400 an – Großvieh, Lämmer, Kälber, Schweine und Ferkel. „Wir sind gerade dabei, uns zukunftsgerichtet aufzustellen“, sagte Hill. Er bezeichnete den Trend zu immer tiergerechteren Haltungsformen als eine Entwicklung, der man sich nicht verschließen könne. Die Vermarktungsgesellschaft sehe darin gute Chancen, allerdings müsse das für den einzelnen Landwirt auch mit einem Mehrwert verbunden sein und dürfe nicht nur die Kosten abdecken.
Die Entwicklungen der NVG-Bovex im Geschäftsjahr 2018 bezeichnete Hill als insgesamt erfreulich. Beim Schlachtvieh stiegen die Stückzahlenumsätze beim Großvieh im Vergleich zum Vorjahr um über 2500 auf rund 56 000. Im Bereich Schlachtvieh-Schweine liege man mit knapp 239 000 Tieren nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Schlachtlämmer gingen dagegen von rund 18 000 auf 14 500 zurück. Deutlich zugenommen habe dagegen der Nutzviehbereich: Schweine und Ferkel um knapp 1500 auf über 15 500 und Großvieh sowie Kälber um über 500 auf gut 14 000. „Insgesamt konnte damit die bereits seit Jahren anhaltende, positive Entwicklung weiter fortgesetzt werden“, sagte Hill.
Im Mittelpunkt der Winterversammlung stand das Referat von Sepp Kellerer, Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes. Neben vielen aktuellen negativen Entwicklungen aus Sicht der Landwirtschaft berichtet er auch von Chancen für die Bauern. „Die Weltbevölkerung wird weiter anwachsen, die Landwirtschaft muss diese Menschen ernähren und den Hunger beenden“, sagte er. Als Trends für die Zukunft bezeichnete Kellerer ein weiteres Wachsen des Biosektors, eine Zunahme des Online-Handels mit Lebensmitteln und die noch stärkere Betonung der Regionalität als Gegentrend zur Globalisierung.
Wenn die Bauern aktuell wieder einmal am Pranger stehen, obwohl sie nur noch etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, dann liege das daran, dass sie bei der Pflege der Kulturlandschaft überall sichtbar sind und dass sie etwas produzieren, das jeder brauche, nämlich Nahrungsmittel. „Ein Landwirt ernährt heute 140 Menschen, doch diese 140 Menschen ernähren den einen Landwirt nicht mehr“, betonte der Agrarexperte.
Zuvor hatte VVG-Vorstandsmitglied und NVG-Aufsichtsratsmitglied Günter Knorr das für die Landwirte schwierige Jahr 2018 noch einmal Revue passieren lassen, vom Turbosommer über die nicht enden wollende Tierwohldiskussion bis hin zu Borkenkäfer und Brexit. Er befürchtete, dass die Lage auch weiterhin schwierig bleibt.
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