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Moderne Landwirtschaft

Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Precision Farming
Stephan Herbert Fuchs
am
18.12.2017

Es gibt keine pauschale Antwort darauf, wann sich der Einsatz von Precision-Farming-Instrumenten auf dem Betrieb lohnt oder nicht.

Precision Farming

„Wenn Sie eines der Precision-Farming-Werkzeuge entlastet, Kosten spart oder Erträge steigert, dann kann der Einsatz sinnvoll sein“, sagte Professor Patrick Ole Noack von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf beim ersten Digital Day der BayWa in Bamberg.

Oft kursiert die Zahl 85 ha, die auch Professor Noack als „Break Even“ bezeichnete. Ab 85 ha könnte es sinnvoll sein, auf Digitalisierung zu setzen. Für Professor Noack gibt es neben der Größe aber auch eine ganze Reihe weiterer Faktoren: die Zahl der Fahrzeuge, die Zahl der Mitarbeiter, die durchschnittliche Flächengröße, die Gestaltung der Fruchtfolge oder die Frage, ob der Betrieb in Zukunft wachsen soll. Das alles sei entscheidend dafür, ob Prozesse in der Landwirtschaft basierend auf der Digitalisierung aufgrund von Informationen und Daten automatisch oder halbautomatisch gesteuert werden. Digitalisierung dürfe kein Selbstzweck sein, sagte er. Der Fachmann legte den Landwirten aber auch ans Herz, Aspekte wie Service, Kompatibilität und Mobilfunkempfang vorher abzuklären.

Sein Ziel sei es, die Digitalisierung in der Landwirtschaft auch in kleineren Strukturen zu etablieren, so Hannes Schallermeyer von dem Entwickler und Hersteller Farm Facts. Die zurückliegende Agritechnica in Hannover habe gezeigt, dass Digitalisierung mittlerweile höchste Priorität besitzt, nicht mehr der Schlepper mit immer noch mehr PS. Schallermeyer stellte die neusten Terminals für die Schlepperkabine und die Datenbank der Agriculture Electronica Foun­dation (AEF) im Internet vor. Außerdem sagte er das Ende des USB-Sticks voraus. Der soll künftig durch einen kleinen Sensor mit dem Namen EFDI (Extendet Farm Management Data Interface)  ersetzt werden.

Viel Show dabei

Precision Farming

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft werde für die Zukunft des Berufs und für den Erfolg des Betriebes entscheidend sein, sagte Günther Schuster, Technik-Geschäftsführer der BayWa in Franken. Bei dem Thema werde aber auch viel Show gemacht, so Kurt Herbinger von Farm Facts. Deshalb seien mehr und mehr Partnerschaften und Kooperationen, auch mit schlagkräftigen Unternehmen wie der BayWa Tochter notwendig.

Unter Precision Farming (Präzisionsackerbau) versteht man Verfahren der ortsdifferenzierten und zielgerichteten Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Ziel ist es, die Unterschiede des Bodens und der Ertragsfähigkeit innerhalb eines Feldes zu berücksichtigen. Gegeben habe es das schon immer, so Professor Noack. Man habe irgendwann angefangen, die Erträge zu erfassen und Ertragskarten zu erstellen.

Beim ersten Digital Day der BayWa in Bamberg waren in der Ausstellungshalle zahlreiche Stände aufgebaut, an denen sich die Besucher über neueste Entwicklungen und Produkte informieren konnten. Zu den Ausstellern gehörten die Unternehmen Agrar Office, Next Farming, Fendt mit VarioGuide und VarioDoc, Fuse, Isaria, Rauch, Horsch und Geo-Konzept mit Vantage.

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